Hintergründe der Bettlerin

Ging ich gestern also durch die Innenstadt und wollte mir etwas kaufen. Das war zumindest der ursprüngliche Plan. Ich bummelte durch die Geschäfte, probierte Klamotten an und aß ein Eis. Normales Shopping- Verhalten.

In der Fußgängerzone waren mir oft die Bettler aufgefallen. Oft junge Leute, die eigentlich mit Mühe Arbeit finden oder sich fortbilden könnten. Gestern saß aber am Rande von allem Konsum eine alte Frau, über 60, Mütze, Rucksack, bescheidenes Pappschild „Herzlichen Dank für Ihre Hilfe“ und ein Hut davor für das Geld.

Ich fand den Anblick bitter, die Frau im alter meiner Großmutter saß mit Sicherheit nicht freiwillig dort. Ich ging also zu ihr hin und fragte sie, warum sie da sitzt und ob es im deutschen Sozialsystem nicht für jeden Hilfe gäbe. Sie erklärte mir, sie erhielte nur 110 Euro Rente, weil sie die meiste Zeit privat irgendwo gearbeitet habe und ihre Wohnung sei zwangsversteigert worden, nun lebe sie bei Freunden. Hartz IV wolle sie nicht beantragen, weil das zu sehr in der Freiheit einschränke.

Während sie mir das also erzählte, schossen ihr die Tränen ins Gesicht und man sah, dass sie die eigene Geschichte deprimiert. Mir tat die Frau sehr Leid, ich kramte etwas Kleingeld hervor, das ich ihr gab und ging wieder. Mehr konnte ich auch nicht machen. Das ist Schicksal von vielen für das sich unglaublich wenige interessieren sich dafür, hauptsache man kauft 3 Shirts bei H&M für 7 Euro.

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