Bier und Klimaschutz

Wie ich kürzlich schrieb, benutze ich ja nun Barcoo, diese coole App, die Klimabilanzen und ökologische Verträglichkeit von Produkten zeigt, wenn man den Barcode scannt.

Beim Feierabendbier scannte ich also den Barcode und erhielt folgende Information: Eine Flasche Bier (0,5 l) bedingt etwa 230 Gramm Kohlenstoffdioxid (CO2), das entspricht einer Autofahrt von 1,26 km. Doof, vor allem wenn man das hochrechnet.

Weitergedacht: Durch unseren Konsum emmitiert jeder Deutsche etwa zwölf Tonnen CO2 pro Jahr, in Indien sind es hingegen nur 1,3 Tonnen pro Kopf/Jahr. Das Deutschland, das sich so für grüne Entwicklungen einsetzt, schaufelt sich und der Welt das Grab. Wir wissen inzwischen ja alle, dass CO2 die Klimaerwärmung fördert (Danke an dieser Stelle an Al Gore und seinen übertrieben pathetischen Film „An Inconvenient Truth„). Auch das Bier, so vieler Mensch Freund, ist des Klimas Feind.

Was tut man nun?
a) Panisch im Kreis laufen?
b) Sich das gute Gewissen bei ecogood zurückkaufen?
c) Über das eigene Konsumverhalten nachdenken?

Möglichkeit a schließe ich aus, das ist zu einfach. Aber was ist mit ecogood und dem Umdenken?

Zunächst aber: was ist ecogood? ecogood ist eine Seite, die einem ein sehr schlechtes Gewissen machen kann, sie zeigt nämlich, wie viel CO2 wir verantworten. Darüber hinaus kann man sich das Gewissen aber wieder reinkaufen. Der CO2-Verbrauch, auch von Flügen, wird in Relation zu finanziellem Aufwand ausgerechnet und dann bekommt man vorschläge, wie man seine CO2-Bilanz ausgleichen kann.

Ich habe das ausprobiert und einen hypothetischen Flug eingegeben. 20 Euro kostet mich der Flug in Klimabilanz gedacht. Um das nun wieder auszugleichen, werden mir zwei Projekte vorgestellt, die ich in Höhe dieses Wertes unterstützen kann: Zum einen die Nutzung von Deponiegasen für Energieproduktion in China, zum anderen die Förderung von Strom aus Erdwärme in Indonesien. „Gute Sache!“, dachte ich im ersten Moment, aber ich habe Zweifel an diesem Konzept. Gut, man kann tatsächlich etwas für die Umwelt tun, aber was bringt das, wenn ich trotzdem dann importierte Ware en masse kaufe und regelmäßig durch die Welt fliege? Im Besten fall hat man eine Nullbilanz, wenn man permanent Geld für andere Projekte investiert. Das verändert aber nicht die Tatsache, dass westliche Staaten maßlos mit dem eigenen Konsum umgehen. ecogood sollte meines Erachtens ein Zusatz zum klimabewussteren Handeln sein und keine Entschuldigung für Rücksichtslosigkeit.

Das führt nun zu Möglichkeit c, das ist die Kür, der schwere Teil. Sich selbst hinterfragen, aus Gewohnheiten ausbrechen, bewusster einkaufen und sich fortbewegen. Die Moralpredigten wurden dazu zu oft gehalten, die möchte ich auch gar nicht wiederholen.

Bier produziert 230 Gramm CO2 pro 0,5-Liter-Flasche. Jeden Abend ein Feierabendbier hieße bei einer Fünf-Tages-Woche pro Jahr 54 Kilo CO2. Allein durch Bier, das nicht einmal aus dem Ausland importiert wurde. Bei importieren Waren, sieht das alles schon anders aus. Ein einfacher Flug von Frankfurt nach Peking, Hauptstadt von China, produziert über 2050 kg CO2. Das nur als Denkanstoß.

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