Wikipedia ist tot! Es lebe Wikipedia!

Screenshot des Wikipedia-Protests

Ok, tot ist vielleicht ein wenig zu dramatisch, aber auf jeden Fall im künstlichen Koma istdie beliebte englischsprachige Version der Online-Enzyklopedie für 24 Stunden. Wikipedia ist nämlich konsequent und protestiert, indem der Zugang zu den Informationen temporär nicht mehr erreichbar ist. Hintergrund der einmaligen Aktion in der Wikipedia-Geschichte ist, dass der US-amerikanische Kongress zwei zweifelhafte Gesetze diskutieren möchte – den „Stop Online Piracy Act“ (SOPA) und den „Protect Intellectual Property Act“ (PIPA).

Ursprünglich sollen diese Gesetze vor Piraterie und geistigem Raub schützen, das klingt so weit auch ganz gut und sinnig, doch der Gedanke liegt nahe, dass es schnell zu einer Zensur von Internetseiten kommen könnte, die primär auf user-generated-content basieren, so wie eben Wikipedia. Der freie Zugang zu Information, an den wir uns bisher gewöhnt haben, könnte laut Internetexperten stark bedroht werden und das nicht nur in den USA, sondern weltweit – schließlich werden englischsprachige Seiten weltweit genutzt.

Auch andere Seiten, die auf user-generated-content setzen, protestieren heute. WordPress hat auf der englischsprachigen Version eine Zwangszensur aller Beiträge für den heutigen Tag verhängt, schließlich werden auch hier Gedanken von anderen aufgegriffen und das sicherlich nicht nach wissenschaftlichen Standards.

Wordpress-Protest

Wenn man heute ein wenig durch das Internet surft und auf zensierte Seiten stößt, merkt man, dass das ganz schön weh tut, diese Einschränkungen, dieser Mangel an Zugriff zu Information, das fühlt sich einfach falsch an! Ok, heute sind es nur die englischsprachigen Seiten, aber spinnt man das Konzept weiter und malt sich aus, was passieren würde, wenn auch deutsche, französische, spanische oder japanische Seiten verschwinden würden, sollte jedem Internetnutzer unwohl werden. Wikipedia und Co. zeigen auf, in welche Richtung wir uns lieber nicht entwickeln sollten, freie Information sollte eher ein Recht sein, um sich weiterbilden zu können!

Selbstverständlich sollte böswillige Piraterie unterbunden werden, doch worum es am Ende wieder geht, ist nicht das geistige Gut und die Bedeutung von Bildung, sondern das liebe Geld. Würde rein hypothetisch das Gesetz umgesetzt werden, hieße das, dass Inhalt einfach gekauft werden muss, um veröffentlicht zu werden, ganz pragmatisch betrachtet.

Die Internetseiten, die heute den mutigen Schritt wagen und ein Zeichen setzen, indem sie ihre Inhalte nicht mehr zur Verfügung stellen, machen es sehr richtig – sie zeigen uns auf, wie wichtig freie Information und Meinungsäußerung für uns geworden ist und dieses gilt es auch weiterhin zu erhalten.

Advertisements