Kurzer Kommentar: Jugenbewegung in Spanien

Ich komme nicht drumherum, die politische Lage und die Jugendbewegung zu kommentieren, bzw. das zu kommentieren, was mir bisher aus der Peripherie aufgefallen ist.

Ich denke, man erinnert sich an die Berichterstattung aus dem vergangenen Jahr – viele protestierende Jugendliche auf der Puerta del Sol – dem Hauptplatz Madrids. Die Bewegung ¡Democracia Real YA! (DRY, „Echte Demokratie jetzt!“), mit Sicherheit vom arabischen Frühling inspiriert, schien so stark und laut, als würde sie exakt die Gedanken der Bevölkerung in die Welt hinausschreien und doch gewann am Ende die konservative Partei Partido Popular (PP) die Wahl.

In den USA, England, Griechenland, in arabischen Ländern, quasi auf der ganzen Welt waren Jugendliche auf den Straßen mit mäßigen Erfolgen und ich dachte, dass das zu Resignation führt.

Letzte Woche bin ich allerdings zufällig in eine Demonstration geraten (leider hatte ich keine Kamera zum Fotografieren dabei), ich stieg an der besagten Puerta del Sol aus der U-Bahn-Station aus und war umgeben von bunten Bannern, vielen jungen Menschen, die Parolen gegen schlechte Bildungsreformen riefen. Dabei verlief alles sehr friedlich. Natürlich war die Polizei anwesend, aber eher als passiver Zuschauer.

Tatsächlich – die Spanier sind noch nicht resigniert, tatsächlich gehen sie noch auf die Straße und organisieren sich immer wieder neu. Ein Blick auf Homepage und Facebook-Präsenz von DRY zeigt, dass sogar heute und morgen Aktionen stattfinden und der Idealismus der Realität  noch nicht gewichen ist.

Leider habe ich das Gefühl, dass die Gruppe, die da auf die Straßen geht, zwar laut und auffällig ist, aber nicht wirklich die Mehrheit repräsentiert, zu groß sind Unzufriedenheit und Angst vor noch schlechteren wirtschaftlichen Zeiten, zu stark die Enttäuschung über die mangelnden Perspektiven und fehlende Arbeitsplätze – auch für hochqualifizierte junge Menschen. Hier hat die Wirtschaftskrise tatsächlich zugeschlagen.

Ein Blick auf das Manifest (auf deutsch) von DRY zeigt große Ideen und gute Gedanken, aber noch zu wenig Dialogfähigkeit. Die junge Bewegung steht erst am Anfang, doch kann vielleicht in der Zukunft mit kanalisierten Handlungen und Forderungen ein klein wenig den spanischen Alltag, die politische Kultur und den sozialen Alltag verändern.