Buchtipp: „Ökofimmel“ – denn wir retten die Welt nicht wirklich

Ich fühle mich schuldig. Ich trage keine Klamotten und Schuhe aus hippen Öko-Shops, ein gewisser Anteil an Polyester ist fast immer dabei. Ich esse Fleisch, obwohl der gefühlte Anteil der Vegetarier in meiner Generation stetig steigt und mir erklärt, dass ich unverantwortlich die Welt zerstöre, weil ich manchmal Bolognese statt Gemüse für die Lasagne bevorzuge. Und ja – ich kaufe machmal Äpfel vom anderen Ende der Welt und nicht diese, die in deutschen Gärten gereift sind. Fangen wir auch gar nicht mit den Plastiktüten an – sie sind halt stabiler als Papiertüten.

Auch wenn ich meinen Müll trenne und Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel dem Auto bevorzuge, glaube ich, dass es nicht genug ist, die Welt neigt sich mit unserem verantwortungslosen Konsumverhalten dem Ende entgegen. Die Rohstoffe neigen sich dem Ende, die globale Erwärmung wird Mensch und Natur in wenigen Jahrzehnten wahrscheinlich zum Verhängnis und die soziale Ungleichheit weltweit wird immer deutlicher. Wir MÜSSEN doch einfach etwas dagegen tun, es ist unsere soziale und moralische Pflicht, aber tun wir auch das Richtige? Oder beruhigen wir manchmal einfach nur unser Gewissen?

Alexander Neubacher, Spiegel-Journalist und Autor des Buches „Ökofimmel – Wie wir versuchen die Welt zu retten – und was wir damit anrichten“ (Spiegel Buchverlag, 19,99€) fühlt sich offensichtlich auch wie ich. In seinem Werk deckt er Ökofallen und Irrglaube auf und verdeutlicht damit, dass viele unserer Mühen, etwas zu bewegen, falsch sind und die Situation sogar verschlimmern.

Mit Daten und Zahlen belegt er, dass die CO²-Bilanz von neuseeländischen Äpflen manchmal besser ist, als von deutschen, dass Bio-Produkte nicht wirklich einen bewiesenen Mehrwert haben und Bio-Sprit durchaus tückisch sein kann – Erkenntnisse, die dem Durchschnittsverbraucher die Augen öffnen könnten.

Vielleicht nicht immer argumentativ komplett geradlinig, aber mit vielen Beispielen, die verwundern und die uns nicht bewusst sind, zeigt Neubacher, dass wir im Öko-Stress leben und dieser manchmal nicht immer gerechtfertigt ist. Niemandem sei der gute Wille abzusprechen, aber wir sind uns nicht immer bewusst, was für Maßnahmen wir tatsächlich ergreifen, um ein „Gutmensch“ zu sein. Stattdessen sollte man die Ketten des Irrsinns unterbrechen und nach Verbesserungen suchen, statt im „guten Fehler“ zu leben.