Marrakesch – (k)ein Märchen aus 1001 Nacht

Das erste, was man uns gesagt hat, als wir im Hostel in Marrakesch ankamen, war: „Ihr seid nun nicht nur in einem anderen Land, ihr seid auf einem anderen Kontinent, hier ist alles anders!“
Es ist wirklich vollkommen anders, aber vor allem komplex.

Marrakesch hat ca. 920.000 Einwohner und hat den gewissen Charm des Orients – die Medina, der alte Stadtkern, besteht aus engen kleinen Gassen, Lehmhäusern, vielen Ständen und Läden (man hat das Gefühl, man befände sich auf einem riesigen Bazar), man kann alte Paläste und Gärten besuchen. Auch das jüdische Viertel und die Synagoge sind einen Besuch wert und auf dem Hauptplatz, dem Djemaa el Fna, herrscht besonders abends buntes und reges Treiben, man sieht Schlangenbeschwörer, Äffchen, Kamele – doch fast nur ausschließlich Touristen. Und erst die Gerüche – Gewürze und Holze duften aus Restaurants und Geschäften. Das Essen besticht meistens durch gute Qualität, neben Couscous-Gerichten (traditionell nur freitags zubereitet, alles danach ist nicht mehr ganz frisch), sind Speisen aus einer Tajine (einem Schmorgefäß aus Lehm) zu empfehlen.

Neben dem traditionellen alten Zentrum, gibt es auch neue Viertel, die voller Bars und Diskotheken sind.

Alles wirkt irgendwie zauberhaft – auf den ersten Blick. Was darüber hinaus auffällt, ist, dass Frauen nicht Cafés sitzen, sie laufen nicht durch die kleinen Gassen, um etwas zu kaufen, sie tragen oftmals eine Burka. Daneben die westlichen Touristinnen, die in Shorts oder Kleider rumlaufen und die vielen Verkäufer, die Versuchen, ihre Waren oder Tiere den Besuchern der Stadt zu überteuerten Preisen anzudrehen – ohne Handeln geht natürlich nichts!

Fragt man jemanden nach dem Weg, bietet er freundlich seine Hilfe an, begleitet einen sogar zum gewünschten Ort, aber es passiert oft, dass am Ende die Dankbarkeit durch ein wenig Geld gezeigt werden soll, das wird offensiv gefordert – je mehr, desto besser.

Alles in einem bekommt man das Gefühl, dass die Einheimischen nicht wirklich Lust auf die westlichen Touristen haben, doch sie sind davon abhängig – des Geldes wegen. Man kann es ihnen aber auch nicht wirklich verübeln. Während bspw. in Deutschland oft gefordert wird, dass sich Immigranten anpassen, Kultur und Traditionen respektieren sollen, laufen viele Touristen sehr offenherzig rum und fordern Alkohol und Schweinefleisch – obwohl genau all das in einer muslimischen Kultur obszön, bzw. verboten ist. Weil alles so exotisch wirkt, wird dann gerne ein Kamel beritten und man lässt sich mit Henna die Hände bemalen, hauptsache es sieht schön aus und wirkt auf den Urlaubsfotos gut. Dass besonders Frauen abwerted angeschaut werden, verwundert also nicht vollkommen.

Marrakesch ist einen Besuch wert, doch man muss sich darauf gefasst machen, dass man z.T. sehr aggressiv von Verkäufern angesprochen wird und dass Frauen nicht den Respekt und Wertschätzung erhalten, die sie gewöhnt sind, es kann sein, dass man sich unbehaglich fühlt. Kurze Röcke, Hosen und Kleider verstärken das Bild des leichten westlichen Mädchens nur.

Das Hostel Equity Point, in dem ich mich aufhielt, kann ich wärmstens empfehlen – es gibt rein gar nichts zu beanstanden. Es ist sauber, man hat 24 Stunden lang kostenloses Zugang zu Wifi und Computern, es ist sauber, Frühstück ist kostenlos und auch man kann sich auch mittags und abends Mahlzeiten an der Bar kaufen, selbst Bier ist für den touristischen Durst vorhanden.

Zu sensibel darf man dabei wirklich nicht sein, es ist wirklich anders. Jedoch fühlt man sich in Marrakesch nicht unsicher, ich hatte zu keiner Zeit Angst, dass ich beraubt werden könnte. Da die Polizei oft in zivil durch die Stadt spaziert und die Einheimischen wissen, welche Konsequenzen ihnen drohen, wenn sie den Touristen Probleme bereiten, ist stets eine gewisse Distanz gewahrt.