Prostitution, Drogenkonsum und „Kavaliersdelikte“

Wie alle Großstädte hat Madrid seinen eigenen Rhythmus, seine eigenen Regeln und Eigenarten. Manche fallen dabei besonders auf, wenn man nicht daran gewöhnt ist und als Ausländer kurze Zeit hier lebt.

Prostitution

In Madrid ist es normal, dass bereits am späten Nachmittag die Prostituierten auf der Straße stehen und auf ihre Freier warten. Dabei sind es keine kleinen Gassen, in denen sie sich aufhalten, sondern die Hauptstraßen der Stadt. Auch ihre Zuhälter schauen nach dem Rechten.
Besonders nachts kann man beobachten, wie die Damen, klischeehaft an unglaublich kurzen Röcken (eher einem breiten Gürtel ähnelnd) und sündhaft hohen High-Heels zu erkennen, potenzielle Kunden ansprechen.

In der Nähe des Queer-Viertels „Chueca“ zeigen sich hingegen spät nachts oder in den Morgenstunden die Shemales – Männer, die sich wie Frauen kleiden, Brustimplantate haben, jedoch ihr primäres Geschlechtsorgan behalten haben.
Prostitution ist in Spanien erlaubt. Es gibt genug Hotels in der Stadt, die speziell dafür ausgelegt sind, Gäste zu empfangen, die nur Sex haben möchten.

Ein wenig verlogen wirkt das schon – der Katholizismus ist in Spanien nach wie vor offziell sehr präsent, vor allem für die älteren Generationen ist der Glaube von besonderer Wichtigkeit. Für die Jugendlichen hingegen eher weniger.

Pragmatisch betrachtet muss aber gesagt werden, dass die Prostitution ein Wirtschaftszweig für diejenigen ist, die sowieso gegenwärtig keine Arbeit finden könnten – junge Migrantinnen. Wie in einem vorherigen Artikel beschrieben, sind sowohl die Arbeitslosigkeit bei Personen zwischen 18 und 35, sowie die Einwanderungsquote im Land besonders hoch. Auf eine traurige Art finden somit junge Frauen einen Weg, ihren Unterhalt zu sichern.

Drogenkonsum

In Spanien ist der Konsum von Marihuana und Haschisch illegal. Dennoch muss man nur wenige Meter durch einen Park oder sogar die Hauptstraße spazieren, um den Geruch der „Porros“, der selbstgedrehten Zigaretten mit Drogenzusatz, zu riechen.

Gefühlt ist der Konsum von Cannabis in Madrid unglaublich hoch, kaum ein Spanier, den ich kenne, hat noch nie an einem Porro gezogen, die meisten rauchen gelegentlich auf Partys gemeinsam.

Der Grund dafür könnte sein, dass laut spanischem Gesetz, der Konsum und Besitz von Cannabis zwar illegal, aber nicht strafbar sind. Es handelt sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit, die eine Geldstrafe zur Folge hat.

Der Konsum von harten Drogen ist zwar verboten, wird jedoch wie in anderen Großstädten, besonders in Diskotheken, praktiziert.

Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit

Der Konsum von Alkhol in Madrid auf öffentlichen Plätzen und Straßen ist verboten, es sei denn man sitzt in einem Restaurant, Café, etc.

Wird man von der Polizei erwischt, beträgt die Geldstrafe 300 Euro, alternativ kann man an einem Präventiosseminar teilnehmen.

Ein Grund dafür könnte sein, dass der Botellón, das beliebte kollektive Vortrinken im Freien, sehr viel Lärm und Müll zur Folge hat.

In Wahrheit hat die Stadt aber auch hier ihre eigenen ungeschriebenen Regeln. Die Polizei geht tatsächlich gegen den Alkoholkonsum vor, jedoch gibt es sehr viele Migranten, die abends und nachts durch die Straßen laufen und Dosenbier für einen Euro verkaufen. Dieses Angebot wird auch oft wahrgenommen – solange die Polizei nicht in der Nähe ist.

Lediglich auf dem Gelände des Templo de Debod, einem Park, der um einen ägyptischen Tempel in der Innenstadt gelegen ist, scheint es keine Regeln zu geben. Regelmäßig treffen sich hunderte junge Menschen dort, um einen Botellón zu veranstalten. Es ähnelt einer großen Party, es werden in den Gruppen Spiele gespielt, viele spielen Instrumente und singe, natürlich fließt auch der Alkohol und der nächste Bierverkäufer ist nie fern. Auch in Anwesenheit der Polizei findet das bunte Treiben kein Ende – bis in die Morgenstunden sitzt man beisammen.

Ich schätze, dass die Polizei dieses toleriert, da es zum einen sehr viele Menschen sind und zum anderen, weil es das Stadtbild nicht stört. Die Touristen sehen davon nichts, der Park liegt etwas abgelegen und der Lärm ist für niemanden lästig. Dem Spanier seinen Botellón zu nehmen ist schlicht unmöglich.

Ein eigener Rhythmus

Manchmal wirkt es befremdlich, wenn man nicht an die offensichtliche Prostitution oder Alkohol- und Drogenkonsum gewöhnt ist, jedoch funktioniert dieser Rhythmus. Man fühlt sich in Madrid nicht unsicher, man hat nicht das Gefühl, dass alles vollkommen chaotisch und ungezügelt abläuft, eher gemäßigt und ruhig, statt exzessiv.

Advertisements