Und doch – der Eurovision Song Contest ist politisch

Was einst als interkultureller Austausch begann und die europäische Idee fördern sollte, ist inzwischen ein lustiger Zirkus aus stereotypischen Elektropop-Beats, dramatischen Balladen und einigen schrägen vögeln, bzw. lustigen Omas wie in diesem Jahr durch Russlands Beitrag deutlich wurde.

Die Musik steht dabei lange nicht mehr im Vordergrund, es ist halt alles glatter und unterhaltsamer Mainstream. Was die Massen beschäftigt, sind andere Themen drumherum. Beobachtet man die Updates auf Twitter, wird deutlich, dass die Wirtschaftskrise und das Verhältnis zwischen Deutschland und den wirtschaftlich wankenden Staaten (Griechenland und Spanien) den Tenor angaben.

Die Wirtschaftskrise ist nun offensichtlich in den Köpfen der Menschen angekommen.

Aber nicht nur dieses Thema erregte die Gemüter, auch Anke Engelkes Statement („Europe is watching you“) als einziger politischer Hinweis zu den Verletzungen der Menschenrechte in Aserbaidschan hat zu einem beachtlichen Echo geführt. Ein kurzer Satz, eingebettet in der Punktevergabe.

Engelke selbst ist politisch und sozial nicht nur interessiert, sondern aktiv beim Medikamenten-Hilfswerk action medeor. Sie setzt sich somit u.a. für Kampf gegen Malaria ein.

Wogegen richtete sich dieser kurze, aber eindrucksvolle Satz eigentlich?
Laut Reporter ohne Grenzen ist Aserbaidschan auf dem 152. Platz der Rangliste der Pressefreiheit 2011 und somit hinter Pakistan, Afghanistan und Russland.
Selbst kritische Blogger wurden in der nahen Vergangenheit in Aserbaidschan festgenommen. Auch die Intoleranz gegenüber Homosexuellen ist ein großes Problem, das u.a. von Amnesty International angeprangert wurde.

Bringt dieser Nadelstich etwas? Fakt ist, dass dank des Eurovision Song Contest wissen einige Leute mehr, wo Baku liegt und dass es gar nicht so weit von Westeuropa ist, aber dennoch mit einem Demokratiedefizit zu kämpfen hat. Bekommen wir sonst etwas in der Presse davon mit? Nein. Wird sich das ändern? Wahrscheinlich nicht.

Wichtig ist es dennoch, ein Augenmerk darauf zu richten. Mit öffentlicher Aufmerksamkeit könnte es vielleicht tatsächlich dazu kommen, dass Aserbaidschans Regierung ein wenig liberaler wird.

Achja, Schweden hat gewonnen. Die Abstimmung zu kommentieren, lohnt auch gar nicht.

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