Facebook-Gemeinschaft versteht die Wirtschaftskrise nicht

Heute habe ich folgendes Bild auf Facebook gesehen:

Vor dem Hintergrund des Programms der Piratenpartei, des arabischen Frühlings und diverser anderer Protestbewegungen hieß es, soziale Netzwerke seien das neue Sprachrohr des Volkes, jeder kann teilnehmen, jeder kann mobilisieren.

Ist das, was auf diesem Bildchen einfach ausgedrückt ist, tatsächlich die Mehrheitsmeinung? In knapp einer Woche wurde es bereits über 1500 Mal geteilt. Dass dies purer Populismus ist und faktisch auch keinen Rückhalt hat, ist an dieser Stelle vorerst nicht vordergründig.

Für mich zeigt sich zu erst ein großes Bildungsdefizit. Die Bundesregierung hat nie ein erklärendes Wort an die Bürger Deutschlands gerichtet, um zu verdeutlichen, dass Maßnahmen, die gegenwärtig zur Abwendung der europäischen Krise unternommen werden, notwendig sind. Auch an Schulen wird Jugendlichen kaum erklärt, was gerade überhaupt passiert, obwohl jeder Bürger unmittelbar betroffen ist, schließlich stehen Steuern, Konsum, Produktion und Leistung in direktem Zusammenhang mit dem Finanzhaushalt.

Große Bildungslücken

Auch wenn es schwer ist, ein aktuelles Thema so greifbar zu machen, frage ich mich, warum offensichtlich niemand Ahnung von der eurpäischen Idee hat. Dass die Europäische UNION ihren Ursprung in der Europäischen WirtschaftsGEMEINSCHAFT hat und damit auch einhergeht, dass es sich auch um eine Solidaritätsgemeinschaft handelt, scheint eine große Bildungslücke zu sein.

Dass Deutschland oftmals rein opportunistisch gehandelt hat, die eigenen Vorteile anstrebte, bewusst wirtschaftliche Bedingungen für die jetzigen Krisenstaaten erschwerte, fällt nahezu immer unter den Tisch.

Zurück zum Facebook-Bildchen. Absolute Armut existiert in Deutschland de facto nicht. Nach Definiton der Weltbank sind Menschen von absoluter Armut betroffen, die pro Tag weniger als einen US-Dollar zur Verfügung haben. Relative Armut tritt selbstverständlich wie in allen Ländern auf, jedoch bedeutet das, dass eine Person weniger als 50% des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung hat, welches in Deutschland bei 2.700 Euro liegt.
Zur Arbeitslosigkeit: Gegenwärtig liegt die Arbeitslosenquote bei unter sieben Prozent, was im europäischen Vergleich sehr gut ist, darüber hinaus herrscht ein Fachkräftemangel.

Die Ausgaben, die Deutschland für die Rettung der Europakrise aufwenden will, ist zudem nur ein Bruchteil von dem möglichen Verlust, den die Bundesrepublik einbüßen müsste, wenn es tatsächlich dazu käme, dass andere Staaten vollkommen bankrott ginge und deren Wirtschaft ermüde.

War die nicht auch noch einst etwas wie Moral und kultureller Austausch? Solidarität und Veranwortung? Dass Deutschland in der Nachkriegszeit durch die EU, bzw. EWG unglaublich viel gewonnen hat, ist auch in Vergessenheit geraten. Dass die Deutschen es aber lieben, Nahrungsmittel aus anderen Ländern zu importieren und vorzüglich am Strand von Portugal, Spanien, Italienn oder Griechenland ihre Sommer verbringen, ist auch egal.
Wie viele Einbußen sich für den Bürger noch ergeben könnten, brauche ich an dieser Stelle nicht aufzuführen.

Fazit

Offensichtlich besteht ein Bildungsdefizit bei vielen Bürgern der Bundesrepublik, anders kann ich mir solche Aussagen nicht erklären. Im Zuge politischer Bildung muss einiges aufgearbeitet werden.Vor allem Jugendlichen, die eine große Kauftkraft haben und die politische Kultur prägen, haben oft nahezu überhaupt kein Verständnis für die Prozesse, die gegenwärtig stattfinden, obwohl sie unmittelbar davon betroffen sind.

Die EU ist darüber hinaus eine Gemeinschaft, und wie im Kleinen, lebt sie auch im Großen vom Geben und Nehmen.

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