Emanzipationsdefizite, überall Emanzipationsdefizite!

Nachdem ich in den vergangenen Monaten ein wenig unterwegs war und mehr oder minder in vielen Punkten Vergleiche zwischen Deutschland, Bulagrien und Spanien ziehen kann, ist mir aufgefallen, dass ich mich in diesen Ländern über verschiedene Emanzipationsdefizite aufgeregt habe – und zwar sehr!

Natürlich bin ich froh, dass wir in Europa so weit sind, dass Frauen das Wahlrecht haben, studieren, arbeiten, sich selbst verwirklichen können, auch wenn im Allgemeinen nach wie vor keine gleichen Bedingungen zwischen den Geschlechtern hergestellt sind (z.B. bei der Vergütung für gleiche Arbeit). Aber das soll nun keine emotionale Diskussion meinerseits werden, eher eine Beschreibung meiner Beobachtungen.

Spanien

Auch wenn in Spanien viele Schritte umgesetzt wurden, um die Rechte der Frauen zu stärken, sie in das Berufsleben zu integrieren und sie mit ihren männlichen Kollegen gleichzustellen, merkt man in der Gesellschaft, besonders in der ländlichen, dass ein altmodisches Denken noch herrscht. Die Frau sollte sich irgendwann dem Kinderkriegen widmen und am besten einen Jungen gebären. In den Großstädten toben sich die jungen Frauen genauso aus wie die Männer, doch sofern die Eltern (wie so oft) noch konservative katholische Ansichten haben, besteht der Druck, sich irgendwann dem Eheleben und den Pflichten zu fügen. Alles in einem muss man jedoch sagen, dass viele Spanierinnen sehr emanzipiert sind, würdevoll auftreten und ihren Weg gehen.

Bulgarien

In Bulgarien bekommt man das Gefühl, die Gesellschaft sei gravierend gespalten durch die unterschiedlichen Bildungsniveaus. Junge Frauen, die sich für den akademischen Weg entschieden haben, sind unabhängige, dynamische Europäerinnen wie in jedem anderen Land der EU.
Wie sich der Rest entwickelt, ist in meinen Augen eher traurig. Wenn die Hauptgesprächsthemen sich auf Promi-Klatsch, Maniküre, neue Modetrends, Frisuren und Schminke unter den Frauen beschränkt, kann man darauf schließen, wie sie ihr Leben führen.

Viele eifern einem Schönheitsideal, das einem amerikanischen Pornostar ähnelt – schlanke Körper mit Wespentaille, große Brüste (meistens hilft der Chirurg nach), volle Lippen (auch da ist nicht alles echt) und lange Haare, vorzüglich wasserstoffblond, alternativ auch schwarzhaarig.

Angekurbelt wird dieses Ideal durch die Sängerinnen der Musik-Genres „Chalga“ (Popmusik mit folkloristischen und orientalischen Einflüssen), die alle wie Zwillingsschwestern aussehen und Videoclips drehen, die oft an Erotikfilme erinnern. Passend dazu sind die Texte sexuell und anzüglich.

In Folge dieses Idealbildes einer Frau und des Drucks durch die ältere Generation, die erwartet, eine junge Frau sollte sich spätestens um das dreißigste Lebensjahr langsam um die Familienplanung und den Haushalt neben ihrer gewohnten Arbeit kümmern, ordnen sich oftmals die Damen selbst unter und ergeben sich der Hausfrauenrolle.

Deutschland

Auch in Deutschland gäbe es viele Aspekte zu diskutieren, aber ich möchte Facebook als mein Lieblingsbespiel gegenwärtiger Entwicklungen benutzen.

Nun, in letzter Zeit sehe ich immer öfter diverse Gruppen, mit klangvollen, treffenden Namen wie „Titten machen Männer froh, geile Ärsche ebenso“. Klingt schon nach einer „respektvollen“ Einstellung gegenüber Frauen. Das Titelbild dieser Gruppe (die immerhin nach nur drei Wochen über 28.000 Likes zu verbuchen hat) zeigt recht deutlich, worum es gehen soll.


Worum geht es letztendlich dabei? Es werden Körper und Körperteile von Frauen angeschaut, kommentiert und diskutiert. Auch Frauen kommentieren fleißig mit und schicken sogar selbst Fotos von sich ein. Dass sie sich dabei vollkommen reduzieren, scheint dabei egal zu sein.

Auf anderen Seiten wird auch gerne das Gewicht und ein beklopptes Schönheitsideal kommentiert. Davon abgesehen, dass die User miteinander mehr als unfreundlich umgehen, ist es deutlich, dass Frauen wieder nur oberflächlich betrachtet werden und teilweise die Schönheit als Hauptqualität betrachten.

Ich bin bei dem Versuch gescheitert zu verstehen, warum dieser Sexismus als so selbstverständlich und unproblematisch betrachtet wird und warum Frauen nicht realisieren, dass sie sich selbst unter ihrem Wert verkaufen.

Jedem steht es frei, sich auf sein Äußeres zu konzentrieren, eitel zu sein und sich zu bemühen, attraktiv und sexy zu wirken, wenn es eine persönliche Priorität ist oder einfach nur Spaß macht, aber wie kann man sich damit zufrieden geben, nicht mehr als eine hübsche Hülle zu sein, unabhängig von mangelnder Wertschätzung? Wie kann es zufriedenstellend sein zu wissen, dass man letztendlich charakterlos und unfähig wirkt, sondern einfach nur hübsch? Wenn Frauen diesen Sachverhalt unterstützen, dann verändert sich die Situation nicht.

Wie gesagt, ich prangere es nicht an, wenn Frauen sich sexy und freizügig zeigen, ich weigere mich einfach zu akzeptieren, dass es gut ist, wenn man darüber hinaus keine Persönlichkeit, Gefühle und Charaktereigenschaften erkennt. Das ist es also, um das Suffragetten und Frauenrechtlerinnen jahrzehntelang gekämpft haben.. ?!

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