Olympia – da bist du ja wieder

Während in Deutschland als große sportliche Ereignisse die Europa- und Weltmeisterschaft im Fußball gefeiert werden, beginnen nun die olympischen Spiele 2012 in London – ein weltweit interessantes Ereignis – mehr oder weniger. „Dabei sein ist alles“ – so der olympische Geist, bei dem Fairness und Sportlichkeit im Vordergrund stehen sollen, aber es ist wie immer mehr als das.

Die Eröffnung – very british. Eine lange historische, etwas trockene, Abhandlung mit der Geschichte Großbritanniens, gepaart mit modernen Einflüssen und guter Musik. Auch wenn die begnadete Emeli Sandé singen durfte (wobei sie bei weitem ihr Stimmvolumen nicht zur Schau stellte), fehlten die legendären musikalischen Größen, die Großbritannien zu bieten hat.

Nett war die humoristische Einlage der Queen Elisabeth II., deren Person in einem Akt mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig eingebunden war – sympathisch! Berührend hingegen war die Anwesenheit des angeschlagenen Muhammad Ali und Ban Ki-Moon.

Weil die Gender-Diskussion im Allgemeinen gelegentlich aufgegriffen wird – warum entschied sich die deutsche Mannschaft eigentlich dafür, die Damen in rosa und die Herren in blau einzukleiden? Solch eine eindeutige Geschlechterteilung fällt selten auf.

Schade, dass das ZDF sich nur mit der Wahl seiner Kommentatoren so blamiert. Ich frage mich, ob man Wolf-Dieter Poschmann und Kathrin Boron für den Posten der Sportkommentatoren bezahlt werden, oder dafür unqualifizierte und dörfliche Kommentare über die Gastländer und Sportler zu machen, oder uninteressante persönliche Anekdoten zu erzählen. Wenn man sich fragt, ob es in Bulagrien Handyempfang gibt, kommentiert, dass die finnische Flaggenträgerin die attraktivste Schwimmerin sei oder darüber plaudert, dass Frau Boron in Kuba mit Delphinen geschwommen sei, dann zeigt man nur die mangelnde journalistische Qualifikation – aber auch das ist nichts neues beim ZDF. Unbedacht darüber, dass die Medien von einer großen Anzahl rezipiert werden, kam sehr viel heiße Luft bei der Live-Übertragung.

Was bei den olympischen Spielen jedoch am wichtigsten sein wird, ist, dass die Sicherheit der Sportler und Gastgeber gewährleistet ist. Das Olympia-Attentat der Spiele in München auf die israelische Mannschaft jährt sich zum 40. Mal und in Anbetracht der Tatsache, dass vergangene Woche in Bulagrien ein Terroranschlag auf israelische Touristen verübt wurde, besteht durchaus ein Grund zu besonderer Vorsicht.

Es geht um Prestige, Geld und Selbstvermarktung bei diesem sportlichen Ereignis, das sicherlich auch politische Well(ch)en schlagen wird. Hauptsache es wird friedlich, fair und unterhaltsam.