Scripted reality – besser als das echte Leben?!

Das deutsche Fernsehen hat an Qualität verloren, das ist nichts Neues. Auf fast allen populären Privatsendern gibt es Formate im Bereich der Reality-Soaps, Pseudo-Dokus und scripted reality – und inzwischen erfreuen sich diese Formate an wachsender Beliebtheit, vor allem bei jungen Menschen.

Das aktuelle Aushängeschild der Fernsehlandschaft der scripted reality ist die  RTL II- Sendung „Berlin – Tag & Nacht“, die inzwischen über 15% des Marktanteils der Altersgruppe von 14 bis 49 für sich ausmacht und über zwei Millionan Fans auf Facebook hat. Wie der Wikipedia-Artikel beweist (und auch die echten Namen der Darsteller bekannt gibt), ist auch dieses Format alles andere als wirklich real und nah am Leben.
Auf Facebook bemüht man sich aber diesen Anschein aufrecht zu erhalten, indem „spontane“ Leienfotos vom Handy mit kleinen Nachrichten hochgeladen werden, oder die Darsteller auf Videos zur Sprache kommen.

Facebook-Seite von „Berlin – Tag & Nacht“

Auch das RTL- Format „Mitten im Leben“ erfreut sich über über 150.000 Likes auf Facebook.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass oftmals ein hedonistisches Bild von Menschen gezeigt wird, oder es werden Konflikte, Probleme und Sorgen von sozial schwachen Familien oder Personen mit Migrationshintergrund auf niedrigstem Niveau thematisiert – böse Zungen könnten sagen, es handle sich um „white Trash“, der inzwischen gesellschaftsfähig geworden ist und nicht mehr für Empörung sorgt.

Die offenbar gewissenlosen Autoren der Sendungen scheinen sich dabei ein Wettrennen zu liefern, wer die lächerlichste Story und Bildunterschriften textet – und sich dabei ungeniert über die Darsteller und die bestimmte parodierte Zielgruppe lustig macht, wie das folgende Bild beweist.

„Sanin glaubt der Döner wird den Menschen ersetzen“
Quelle: lach1.de

Fernsehen soll natürlich auch unterhalten, aber da Medien auch eine Sozialisationsinstanz sind, bestehen Zweifel, ob diese Formate nicht ein schlechtes Vorbild für die Gesellschaft, besonders die Jugend, sind. Ganz unbegründet ist diese Sorge also nicht, aber da Massenmedien nur eine von mehreren Sozialisationsinstanz für Kinder und Jugendliche sind (neben Familie, Freundeskreis/ peer-group und der Schule), sollte der Effekt hoffentlich keine zu weiten Kreise ziehen, bedenklich wird es allerdings für Jugendliche, die in einem schlechten familiären Umfeld aufwachsen und/ oder Außenseiter sind. Man darf es weder unter-, noch überschätzen, muss es aber realistisch betrachten.

Kultur-, politik- und bildungsfern zu sein, ist inzwischen „normal“ und akzeptiert, es gibt kaum positive Gegenbeispiele im Fernsehen, die Sendungen werden bei entsprechendem Erfolg auch weiterhin mit Leiendarstellern produziert.

Wünschenswert wäre es dabei, diese „Perlen“ des deutschen Fernsehguts kritischer zu hinterfragen und doch ab und zu deutlich zu machen, dass es sich dabei nicht um die Realität handelt und diese Lebensmodelle nicht erstrebenswert sind – doch wo soll dieser Dialog nur stattfinden?