Wie man kulturellen und religiösen Hass schürt

Albert Einstein hat einst gesagt, die menschliche Dummheit sei unendlich und dieser Tage scheint sich das erneut zu bestätigen, wenn man sich das 14-minütige Kurzfilmchen „The Innocence of Muslims“ anschaut – ein Video, das gegenwärtig den Keil zwischen den Religionen tiefer treibt.

Neben der mieserablen filmkünstlerischen Qualität fällt eines auf – jedes Detail ist eine respektlose Beleidigung für den Islam. Mohammed, der im Islam nicht bildlich dargestellt werden darf, wird als homosexueller Frauenheld und Bastard gezeigt, der die Koranverse im Grunde nur aus der christlichen und jüdischen Lehre gestohlen hat und zu „neuen“ Versen umgestaltete – womit eine ganze Weltreligion als Lüge präsentiert wird. Darüber hinaus wird der Islam pauschal mit Terrorismus, Gewalt und Frauenhass gleichgestellt.

Jetzt brennen westliche Botschaften, in Libyen kam ein US-Botschafter ums Leben, im Sudan brennt nun auch eine deutsche Botschaft, in Agypten, Iran, Bangladesch und anderen moslimischen Ländern sind Demonstrationen angekündigt – die Entrüstung ist groß.

Wie wenig Taktgefühl, Wissen und politische Sensibilität muss der Initiator dieses Videos, das nicht einmal als Parodie verstanden werden könnte, gehabt haben? Die USA standen oft in der Kritik mit ausgeprägter Doppelmoral international zu agieren – Freiheit und Respekt für alle fordern, doch genau gegenteilig auf andere Nationen wirken. Seit dem 11. September 2001 ist die Skepsis gegenüber dem Islam gewachsen und anstatt sich im Dialog anzunähern, verschärfen sich auf beiden Seiten die Fronten.
Dass im Allgemeinen die Religion für Moslems eine viel größere Rolle im Leben spielt als für einen modernen Christen, ist bekannt und genau deswegen kann man das Video als mutwillige Provokation sehen.

Unter dem Deckmantel der freien Meinungsäußerung und Redefreiheit versuchen Anhänger tatsächlich den Inhalt zu rechtfertigen, schnell ist inzwischen vergessen, dass auch in christlichen Gemeinschaften oft nicht alles reibungslos verläuft. Pussy Riot verschwanden schnell wieder aus den Medien, doch die Begründung für die zweijährige Haftstrafe war u.a. „Verletzung religiöser Gefühle“, bei den Amish schneiden extreme Glaubensanhänger nachts die bedeutungsträchtigen Bärte anderer ab und bei einem Ausstieg von den „Zeugen Jehovas“ kann man nicht mit bedingungsloser Nächstenliebe rechnen.

Dass es zu gewaltsamen Ausschreitungen in der islamischen Welt kommt, ist zwar verwerflich und nicht zu rechtfertigen, verwundert jedoch nicht, wenn der Glaube, der die Säule und Orientierung im Alltag einiger Menschen ist, auf derart widerliche Art beschmutzt wird.

Der Westen hat noch immer nicht gelernt, die Arroganz abzulegen und fordert weiterhin Werte, die er selbst nicht lebt. Es ist nicht lange her, dass die Karikaturen Mohammeds vor einigen Jahren Aufsehen erregten und Koranschändungen stattfanden. Kürzlich geriet eine Plakatkampagne, die Innenminister Hans-Peter Friedrich durchbrachte und verteidigt, in heftige Kritik, weil die Islamophobie schürt und suggeriert, Moslime seien leicht für terroristische Akte zu begeistern. Die Diskussionen sind in den sozialen Netzwerken erhitzt – Aussagen und Stichworte wie „Nazis“, „Terroristen“, „Salaphisten“, „Moslems sind Steinzeitmenschen“ fallen oft.

Es ist nun einmal so – wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus, die Frage ist nur, wer zu erst rief.

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