Angela Merkel und die Logik der Homo-Ehe

Homosexualität ist so alt wie die Menschheit und dennoch wird sie noch als etwas Außergewöhnliches und Extravagantes dargestellt. Glücklicherweise sind in vielen Ländern die Zeiten lange vorbei, in denen Homosexuelle verfolgt, gequält und getötet werden. Eine feine Trennlinie besteht dennoch, die gleichgeschlechtliche Liebe von heterosexuellen Paaren entfernt, sei es auch „nur“ im steuerlichen Bereich, ausgedrückt durch „Ehegatten-Splitting“. Auch ranghohe Politiker helfen nicht unbedingt dabei, dem Thema einen respektvollen Ton zu geben und die Rechte von Menschen gleichwertig zu behandeln und zu werten.

Prominente politische Positionensamesexlove

Die CDU-Politikerin Katherina Reiche hatte sich bereits im August, nachdem die Bild Zeitung Aussagen von ihr publizierte, ins Abseits manövriert, als sie darin erklärte, dass es zwar keine Diskriminierung gegen gleichgeschlechtliche Lebensmodelle geben dürfe, aber die wichtige Bevorzugung von Heteropaaren keine Diskriminierung sei, da es um den Erhalt der familiären Werte ginge. Vielmehr wäre es in Zeiten des demographischen Wandels wichtig, den Wohlstand – eben durch Reproduktion – zu schützen.

Nun äußerte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich des CDU-Parteitags zu diesem kontrovers diskutierten Thema. Laut einem Spiegel-Artikel, unterstütze sie die steuerliche Privilegierung der konventionellen Ehe, da sie mit Familie gleichzusetzen sei. Da ist sie – die zu schwach bedachte und differenzierte Aussage.

Logische Fehler – fern von der Realität

Denken wir die Aussagen von Frau Reiche und Frau Merkel mal weiter – Ehe muss geschützt werden, weil sie die Reproduktion begünstigt, bzw. die Verhältnisse vereinfacht und schützt. Weil nur heterosexuelle Paare auf biologischem Wege einfacher Kinder bekommen können, sollen homosexuellen Paaren keine steuerliche Vorteile entgegenkommen. Damit schließt man aus, dass gleichgeschlechtliche Liebende nicht einfach ein Kind adoptieren können – möglicherweise aus dem Ausland, dann hätte man sogar einen zusätzlichen Staatsbürger in der Bundesrepublik dazugewonnen und hätte aktiv etwas gegen den demographischen Wandel getan.

Wo ich auch schon bei dem Wort „biologisch“ war, das oft mit „natürlich“ gleichgesetzt wird – Verhütungsmittel, Herzschrittmacher, Impfungen, blutdrucksenkende Mittel und künstliche Befruchtung sind auch nichts Natürliches, aber dennoch weitgehend akzeptiert. Lesbische Frauen haben die Möglichkeit – auch wenn es sicherlich nicht einfach ist – in ihrer Partnerschaft dennoch schwanger zu werden, auch auf „natürlichem“ Wege, aber diese Komponente wird nicht bedacht.

Außerdem – was ist mit heterosexuellen Paaren, die keine Kinder bekommen können oder sich bewusst dagegen entschließen? Sollen dann steuerliche Vorteile nach einigen Jahren gekürzt werden, weil diese Menschen ihren familiäen Pflichten dem Staat gegenüber nicht nachkamen? Frau Merkel, die selbst keine eigenen Kinder hat, hätte auch diesen Aspekt bedenken müssen.

Verweigerung der steuerlichen Gleichstellung – mehr als nur Finanzkalkulation

Wir müssen uns von den vorindustriellen Familienbildern langsam entgültig in Deutschland verabschieden. Familiäre Strukturen haben sich besonders im vergangenen Jahrhundert immer wieder verändert. Großfamilien und Mehrgenerationenhaushalte sind immer seltener aufzufinden, die Ehe ist inzwischen weniger von Pragmatismus beherrscht, sondern wirklich von Liebe und/oder partnerschaftlich-gemeinschaftlichen Gefühlen.

Daraus folgt also, dass das Verweigern der Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ein Stigma ist. Man suggeriert dadurch nicht nur, dass es „unnatürlich“ ist, wenn zwei Frauen oder zwei Männer zusammen leben, sondern darüber hinaus, dass die Werte und Gefühle, die sie zeigen, minderwertiger sind im familiären Kontext. Durch Adoption, künstliche Befruchtung oder Schwangerschaft bei lesbischen Paaren, ist es sehr wohl möglich, auch in einer Homobeziehung ein Kind großzuziehen und sicherlich nicht schlechter, als in heterosexuellen Beziehungen.

Familiäre Werte, Zusammenhalt, Geborgenheit und gemeinschaftliche Strukturen, das was Kinder wirklich brauchen, sind keine Dinge, die nur entstehen können, wenn zwei Geschlechter bei der Erziehung involviert sind. Ein öffentliches gesellschaftlich relevantes Statement mit Signalwirkung ist bereits lange überfällig.

Weiterführende Links

FAZ-Artikel über Katherina Reiche und die Welle der Empörung: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/politik/drohungen-gegen-cdu-politikerin-ein-problem-mit-der-szene-11867150.html

Spiegel-Artikel über die Position von Angela Merkel: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-spricht-sich-gegen-steuerliche-gleichstellung-der-homo-ehe-aus-a-870394.html

Wikipedia-Eintrag über Ehegattensplitting: http://de.wikipedia.org/wiki/Ehegattensplitting

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