Medien, Manipulation und Milchlügen

In der Internetlandschaft traf ich zufällig auf einen Kurzfilm über Manipulation durch Medien, in dem besonders die Milch als Beispiel genannt wurde. Ein wenig pathetisch und mit der Kant’schen Forderung „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ im Unterton versehen, dachte ich mir zunächst nichts besonderes. Ein wütender Student brachte seine Meinung künstlerisch zur Geltung, das ist nichts Neues.

Es ist ja allgemein bekannt, dass Medien je nach redaktioneller Linie und Intention nur die Information filtern, die sie für relevant halten, um eine Botschaft zu kreieren und dem Volk bei seiner Meinungsbildung zu „helfen“. Inwiefern das nach bestem Wissen und Gewissen geschieht, sei dahingestellt, jedoch gab ich in meiner Suchmaschine „Milch“ ein, nachdem der Kurzfilm im Nebensatz anmerkte, dass Milch gesundheitlich schädlich sei, entgegen der medialen Darstellung.

Ergebnis:
1. Treffer: Wikipedia-Artikel über Milch
2. Treffer: www.milch-den-kuehen.de/ Eine Seite, die von der Tierschutzorganisation Peta betrieben wird.
3. Treffer: www.meine-milch.de/ Die Seite vom Milchindustrie-Verband e.V. in Berlin

Zwei Lobbygruppen aus entgegengesetzten Lagern bieten Informationen, die sie mit Studien belegen.
Peta erklärt, dass wir den Kälbern (wirksam als Kuh-Babys tituliert) die Nahrung wegtrinken und uns mit der artfremden Kuhmilch schaden. Milch riefe, so Peta, Erkrankungen wie Osteoporose, Allergien, Adipositas  und Hauterkrankungen hervor. Peta weckt den Anschein, dass Kühe prinzipiell auch in schlechten Konditionen gehalten werden, Milch sei ein „grausames und ungesundes Produkt“.
Der Milchindustrie-Verband stellt genau das Gegenteil heraus, Milch brächte viele Vitamine und Nährstoffe, die sogar Übergewicht vermeiden könnten. Darüber hinaus werden die wirtschaftlichen Aspekte und die Sicherheit über Lebensmittelkennzeichnung, sowie die Art der Viehhaltung herausgestellt – alles liefe hervorragend. Fertig ist das Dilemma, zwei absolut konträre Meinungen, aber da bringen auch die Studien nichts – in der Beweislage steht man in einer Pattsituation.

Für den Konsumenten, sofern er sich nicht aktiv informiert oder selbst aktiv wird, ist es letztendlich wichtig, welche Lobby bei diesem Spiel gewinnt und wie Industrie und Politik entscheiden. Mit Hilfe von politischen Instrumenten kann es entweder begünstigt werden, dass Tiere besser behandelt werden, oder dass lediglich die wirtschaftliche Bilanz stimmt.

Kompliziert, dabei handelt es sich „nur“ um Milch. Die Interessensvertretung über Lobbygruppen verläuft allerdings in fast allen Bereichen des Lebens so ab, dann ist es egal, ob es sich um Milch- oder Rüstungsindustrie handelt. Davon bekommt der Bürger am Ende nur eine gefilterte Version mit. Die Wahrheit geht am Ende möglicherweise verloren – ob Milch nun eher gesund oder ungesund ist, steht in Anbetracht der Studien und Positionen immer noch nicht fest. Ob die Wahrheit, sollte es nur eine geben , gewollt ist, oder die „Wohlwohlwahrheit“ bevorzugt wird, ist fraglich.

Deutlich wird, dass Manipulation über Interessensvertretungen stattfindet, aber auch über die Medien, was uns als Bürger letztendlich in die Lage versetzt, dass wir sogar unmündig und ahnungslos sind. Das wiederum macht politische Partizipation schwierig.

Wir müssen uns manchmal einfach öfter bewusst werden, dass das, was scheinbar „richtig“ oder „gut“ ist, vielleicht ein großer Fehler ist. Jedoch werden wir das nie verstehen, wenn wir uns nicht selbst informieren und hinterfragen, wie die Prozesse in unserem Land ablaufen, anstatt im Fernsehsessel während der Tagesschau über den ESM zu pöbeln.

In diesem Fall war es die Milch, wann anders ist es die britische Königsfamilie und oft auch die Lage zu Sicherheit oder Ökologie wo verschiedene Gruppen verschiedene Positionen haben und diese „belegen“ , dazu kommen noch die Medien- am Ende wissen wir weniger, statt mehr.