Wie das Glück funktioniert

Was Glück ist, definiert jeder Mensch für sich. Die meisten werden zustimmen, dass es sich um ein Gefühl der Zufriedenheit und des Wohlbefindens handelt, vielleicht sogar mit innerer Unruhe verbunden, aber auch darüber kann man streiten und philosophieren. Wir leben in einer Region, die wirtschaftlich, politisch und diplomatisch sicher ist, wir haben einen relativ guten Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung und können uns unseren Lebenspartner selbst aussuchen. Eigentlich läge die erste Annahme nahe, dass es den Menschen gut gehen müsste, aber das Gegenteil ist der Fall: Immer mehr Depressionen und andere psychische Erkrankungen werden festgestellt, die sich auch auf die psysische Gesundheit auswirken. Sicherlich hängt das auch mit dem erweiterten Spektrum an Krankheiten zusammen, aber auch äußere Umstände und private Faktoren drücken auf die menschliche Psyche, wenngleich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger einfach glücklich sein möchte. Inzwischen ist Glück sogar zu einem politischen Ziel geworden und auch die Wissenschaft hat sich der Thematik angenommen. Es gibt nach wie vor keine Faustregel dafür, wie man glücklich wird, aber manchmal ist es wichtig, sich auch mit so einem Thema auseinanderzusetzen.

Esoterik und Unerklärliches

Es wirkt immer etwas esoterisch oder boulevardesque, wenn man sich mit Glück beschäftigt, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass qualitativ schlechte Ratgeber, unseriöse Astrologinnen und Astrologen sowie Kartenlegerinnen und Kartenleger uns gegen Geld den Weg zum Glück versprechen, aber nur heiße Luft bieten.
Das Buch und der gleichnamige Film „The Secret“ werden von vielen als Humbug abgetan, auch wenn die Anhängerschaft auf das Konzept schwört, welches das „Gesetz der Anziehungs“ proklamiert. Der Grundgedanke ist simpel: Positive Gedanken ziehen positive Ereignisse an, negative Gedanken hingegen negative. Das Universum würde die Zeichen empfangen und dementsprechend reagieren. Alles könne erreicht werden, wenn man konsequent negative Gedanken und Ängste verbannt und sich stattdessen auf seine Sehnsüchte und Dankbarkeit für die positiven Aspekte des eigenen Lebens konzentriert. Ja, das klingt wirklich etwas speziell, aber ist für Menschen mit einem Faible fürs Unerklärliche wahrscheinlich eine Option, auch wenn keine Ergebnisse wissenschaftlich messbar sind.

Die Wissenschaft hat das Glück für sich entdeckt

Es ist kein neuer Gedanke zu untersuchen, was Menschen glücklich macht. Die Forscher „Grant-Studie“ der Harvard University haben über 70 Jahre lang untersucht, welche äußeren und inneren Faktoren das Glücksempfinden beeinflussen. Wesentliche Ergebnisse waren, dass Gesundheit und Glück eng miteinander verknüpft sind. Wer glücklich ist, lebt tendenziell länger und gesünder und wer gesund ist, ist auch glücklicher. Die Wissenschaftlicher haben herausgefunden, dass ein Mensch im Alter von 50 Jahren, der

  • nicht raucht,
  • sich ausgewogen ernährt,
  • sich ausreichend bewegt,
  • seit über zehn Jahren in einer festen Partnerschaft lebt,
  • eine gute und lange Ausbildung genossen hat und
  • sich bei Schwierigkeiten an Alternativen gut anpassen kann

eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit hat, in den nächsten 25 Jahren gesund (der altersbedingte körperliche Verfall ausgenommen) und glücklich zu leben, wohingegen Krankheit oder Tod innerhalb der folgenden 25 Jahre und Unzufriedenheit tendenziell diejenigen heimsuchen wird, die weniger als fünf der Kriterien erfüllen.

Die „Glueck-Studie“ fügt zudem hinzu, dass enge zwischenmenschliche Bindungen, besonders in der Kindheit, wesentlich für das eigene Glücksempfinden ist. Der Effekt ist nicht nur bei Eltern-Kind-Beziehungen zu beobachten, sondern auch bei freundschaftlichen Beziehungen, aber besonders bei enger geschwisterlicher Nähe.

Auch das recht junge Feld der „Positive Psychology“ untersucht unterschiedliche Aspkte, die uns glücklich machen und erfreut sich dabei an besonderer Beliebtheit.
Erkenntnisse des Fachs sind, dass Glück nicht dem Zufall überlassen sein muss. Die Fähigkeit zu erkennen, welche Ziele man aus eigenem persönlichen Willen (und nicht weil man sie erledigen muss) freiwillig verfolgen möchte, ist zwar schwer zu erlangen, jedoch erlernbar. Sie führt nicht nur zu Zufriedenheit, sondern auch zu erhöhter Leistungsfähigkeit, Motivation und Kreativität.

Eine weitere wichtige Eigenschaft ist Dankbarkeit. Dankbare Menschen sind Forschern zufolge optimistischer, zufriedener mit ihrem Leben insgesamt und weniger anfällig für Stress und depressive Verstimmungen. Indem man sich Listen schreibt, wofür man dankbar ist und sich diese regelmäßig zu Gemüte führt, kann man diesem Zustand näher kommen.

Der Gedanke, dass harmonische innige Beziehungen wesentlich für das Wohlbefinden sind, um diese aufrechtzuerhalten, muss dem Psychologen Dr. John Gottman das Verhältnis zwischen positiven und negativen Komponenten zwischen den Personen 5:1 betragen, d.h. – eine negative Geste muss mit fünf positiven aufgewertet, damit die Beziehung vom anderen als positiv wahrgenommen wird.

Auch ein gutes Selbstbewusstsein führt zu Glücksgefühlen, wohingegen eine Eigenschaft sich als Hindernis erweist: Perfektionismus, der oft früh erlernt wurde und sich durch die Angst kennzeichnet, in den Bereichen, die uns am wichtigsten sind, zu scheitern. Den Theoretikern nach ist es allerdings wichtiger, seine echte Leidenschaft zu finden.

Allerdings muss auch erwähnt werden, dass es ebenfalls die Position gibt, die besagt, dass Lebenszufriedenheit auf Grund von genetischer Ausstattung und Persönlichkeit als Wesenszug verstanden werden muss und Statistiken dieses verdecken.

Andere Länder, anderes Glücksempfinden

Die Regierung des asiatischen Königreichs Bhutan hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Bewohnerinnen und Bewohner glücklich zu machen. Daher untersuchen sie mit dem Gross National Happiness Index, wer glücklich ist und wer eher nicht. Säulen des natioanlen Glücks sind dabei soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Bewahrung kultureller Werte und stabile Verwaltungsstrukturen.

Ein anderes Messinstrument ist der Happy Planet Index, der die Relation des wahrgenommenen Wohlbefindens, der Lebenserwartung und dem ökologischen Fußabdruck eines Landes berechnet und demnach zuletzt Costa Rica als glücklichstes Land galt. Eine hohe Alphabetisierungsrate, die hohe Wichtigkeit erneuerbarer Energien und sozialer Zusammenhalt waren wichtige Faktoren, die das Ergebnis beeinflussten. Auf Rand zwei ist übrigens Vietnam.

Und was ist mit dem lieben Geld?

Neue Erkenntnisse haben gezeigt, dass Geld nicht glücklich macht. Das stimmt so zwar nicht ganz, aber trifft den Kern im Groben: Ein Mensch muss genug Geld zur Verfügung haben, um seine Grundbedürfnisse und wichtigsten Wünsche befriedigen zu können, allerdings ist dann erst einmal kein Unterschied in den Gehaltskategorien festzustellen. Erst ab einem Jahresgehalt von über 100.000 US-Dollar wird eine Korrelation zwischen Reichtum und Glück festgestellt.

Auch für das persönliche Glück konnte die Grant-Studie keinen Zusammenhang erkennen, solange die anderen Aspekte erfüllt waren und das BIP als Indikator für Glück in einem Land ist längst überholt. Laut Happy Index Planet lagen die USA übrigens auf Rang 105 von 151.

Weitere Quellen:

Tellegen, Auke; Lykken, David T.; Bouchard, Thomas J.; Wilcox, Kimerly J.; Segal, Nancy L.; Rich, Stephen (1988): Personality Similarities in Twins Reared Apart and Together. In Journal of Personality and Social Psychology 54, pp. 1031–1039.

Campbell, Angus; Converse, Philip E.; Rodgers, Willard L. (1976): The Quality of American Life. New York: Russell Sage Foundation.