Neujahrsvorsätze? Realistisch bleiben!

Da ist es – das neue Jahr 2015. Die ganzen Weisheiten, die man über die Weihnachtstage mit tiefem Blick ins Rotweinglas gefunden hat, wie dass Taylor Swift irgendwie doch immer Recht hatte oder das Fernsehen bald eine technische Reliquie sein wird, sind gemeinsam mit den Supermarkt-Böllern verpufft. In Rauch (oder Rausch) haben sich die meisten Erkenntnisse aufgelöst eh der Jahreswechsel stattfand und wieder steht man bei null: alle Jahre wieder sind die ersten Januartage gezeichnet von grauem Wetter und Lethargie: der Neujahrskater ist gerade erst überwunden und alles ist im Grunde wie im Dezember, nur dass die bunten Lichter abgenommen wurden und alle inzwischen vom Weihnachtsplätzchen-Zuckerschock runtergekommen sind. Zu Jahresbeginn muss man sich noch angestrengt daran gewöhnen, eine neue Zahl als Datum zu schreiben und auszusprechen. Und inmitten dieser Tristesse sind sie doch wieder da – die übereifrigen Neujahrvorsätze.

Auch wenn ich es persönlich kaum sinnvoll finde, kenne ich viele Leute, die das Kalenderende als Schnitt sehen, als die Erinnerung, dass ein Neubeginn möglich ist und man sich selbst durch Willensstärke bessern kann. Obwohl der Zeitpunkt ein wenig künstlich gewählt ist, hat man sich auf Veränderungen eingestellt – mutiger, attraktiver, gesünder, fitter und geselliger möchte man gerne sein. Am besten hört man auch auf, seine Zeit auf Tinder zu verschwenden. Die alte Jeans aus dem Jahr, in dem man seinen Schulabschluss gemacht hat, hat auch mal weniger gekniffen – das liegt vielleicht am vielen Alkohol, den man ja auch reduzieren wollte. So oder ähnlich könnten die Standardvorsätze klingen, die drei Viertel der Deutschen haben.

Realistische Ziele setzen!

Nun, zu allererst: wer er es ernst meint, hat realistische Chancen, sich umzugewöhnen. Es braucht im Durchschnitt etwa knapp zwei Monate, um sich ein neues Verhaltens- und Denkmuster anzugewöhnen (auch wenn man ausnahmsweise gesündigt hat), danach wird es stetig zu einem Automatismus, mehr Gemüse zu essen, oder häufiger joggen zu gehen. Außerdem: der klassische Wunsch abzunehmen, ist wohl leichter umzusetzen, als gedacht: die Neurowissenschaftlerin Sandra Aamondt erklärt, dass Diäten nicht wirken können, weil das Gehirn in Alarmbereitschaft ist, sobald man die Nährstoffzufuhr drastisch ändert – der Yo-Yo-Effekt ist die natürliche Konsequenz. Die Lösung, wenn man bis zu fünf Kilo abnehmen will ohne den Körper auf bestimmte Art zu definieren, ist simpel – schlicht nur dann essen, wenn man wirklich hungrig ist und aufhören, wenn man satt ist. Überfressen führt zu mehr Hüftgold. Auch wenn es einfach klingt, muss man sich dies jedoch erst antrainieren.

Grundlegend für den Erfolg von Neujahrsvorsätzen (oder anderen Zielen, die man sich setzt), sind die richtige Motivation und Handlungsbereitschaft. Allerdings liegt auch dort der Hase begraben. Wenn man wirklich aufrichtig zu sich selbst wäre, würde man wissen, dass man im Grunde wenig Lust hat, aus sich selbst einen neuen Menschen zu machen. Wer allerdings aufrichtig motiviert und handlungsbereit ist, kann sein Ziel stetig erreichen. Bei der richtigen Motivation lässt man sich auch nicht von kleinen Rückschlägen entmutigen, sondern setzt seinen Weg bestimmt fort.

Warum eigentlich Neujahr?

So weit, so gut – wir können uns also realistische Ziele stecken und an uns arbeiten. Das ist klasse, aber warum muss es der 1. Januar sein? Kann es einen unpassenderen Moment geben als übernächtigt und wahrscheinlich leicht verkatert aufzuwachen, wenn die Energie nur dafür reicht im Bett zu bleiben? Das schreit geradezu nach Inkonsequenz, weil man am ersten Tag des Jahres, in dem ja alles anders werden soll, schon nicht nutzen kann.
Außerdem – was sagt der Jahreswechsel über den eigenen Rhythmus aus? Nichts! Es ist ja oft so, dass man ein Jahr an einem komplett anderen Punkt seines Lebens steht als 12 Monate später. Wenn man an sich arbeiten möchte, dann kann man lieber seinen persönlichen Zeitpunkt wählen, schließlich finden Jobwechsel, Geburten, Umzüge, Scheidungen, etc. in den seltensten Fällen zum Jahreswechsel statt – so streng getaktet ist unsere Gesellschaft noch nicht.

Im Grunde ändert sich von Dezember zu Januar für dich meisten nichts, warum dann der Hehl? Wahrscheinlich weil es die einzige Periode im Jahr ist, in der sich ein schleichendes kollektives Bewusstsein über Vergänglichkeit einschleicht? Oder weil es Tradition ist? Oder gar weil man einfach überall davon umgeben ist? Über Leserkommentare würde ich mich freuen. Unabhängig, ob ihr Neujahrsvorsätze habt oder nicht – alles Gute für 2015!

Photo: flickr.com; User: Thomas Hawk