Zukunftspessimismus – ein kurzer Rant

Rant, der (m.), [rænt], aus dem Englischen: die Tirade (f.), die Wutrede (f.).  Wenn man sich mit Politik befasst, wird man oft wütend. Die langsamen Entscheidungsprozesse, die eitlen Machtkämpfe der Politiker oder die Halbwahrheiten gegenüber Presse und Bevölkerung sind lästig und oft enttäuschend. Manchmal ärger man sich aber auch über das mehrheitliche Desinteresse über Themen, die ausnahmslos alle betreffen.

Die Zukunft sieht ziemlich duster aus und es ist uns egal. Dabei muss man kein Wirtschaftswissenschaftler sein, um 1 und 1 zusammenzuzählen. Die Wirtschaftskrise in Europa ist noch immer nicht überwunden und Deutschlands Exportüberschuss schwächt sogar die Krisenstaaten, da diese noch immer nicht wettbewerbsfähig sind. Dass die Ungleichheit langfrisitg zwischen den EU-Mitgliedsstaaten wächst und eine ganze Generation vor maroden Sozial- und Rentensystem steht, ist inzwischen nichts Neues. Aber auch innerhalb Deutschlands wächst die Ungleichheit, zumal Reichtum meistens nicht erarbeitet, sondern vererbt wird. Es kommt hinzu, dass innerhalb einer Rezession eine junge Generation 8-10 Jahre länger braucht, um ein bestimmtes Vermögen zu erarbeiten als während des Aufschwungs. Ein Blick in den letzten Armutsbericht zeigt, dass die einstige Stabilität der deutschen Gesellschaft bei Weitem nicht mehr in dem Ausmaß geboten ist, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Alleinerziehende, Rentner und junge Menschen sind besonders von Armut bedroht, die inzwischen auf ein Rekordhoch von über 15% gestiegen ist. Ungleichheit könnte DIE Herausforderung der kommenden Jahrzehnte werden, wenn der Trend sich verschärft.

Die Ungleichheit wächst, innerhalb der EU und auch innerhalb Deutschlands. Warum das wichtig ist? Weil Ungleichheit mit sozialer Unruhe, Gewalt, Teenagerschwangerschaften, Qualitätsabfall im Bildungssystem und dem Abbau des Sozialstaats einhergeht. Je gleicher eine Gesellschaft, umso zufriedener und friedlicher. Wenn wir zudem das TTIP, das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU, bedingungslos zulassen, könnten die über Jahrzehnte von Gewerkschaften erkämpften Arbeitnehmerrechte stark geschwächt werden, was zu noch mehr Ungleichheit führen würde. Noch ein Faktor: wenn nur ein kleiner Teil dessen wahr wird, was Klimaforscher vorhersagen, werden wir zu unserer Lebzeit massive Dürre in Afrika und Überschwemmungen in Asien erleben, die Konsequenz werden Migrationsströhme sein.

Wenn das Thema Flüchtlingspolitik jetzt schon für Irritation sorgt, will ich mir nicht ausmalen, wie es in Zukunft aussehen wird. Man müsste für viele Herausforderungen bereits jetzt eine Lösung finden, denn wenn eine Katastrophe geschieht, ist es zu spät. Ich verstehe, dass die heutigen Entscheidungsträger nicht so weit im Voraus planen, wenn sie die Zukunft vielleicht selbst nicht erleben werden, aber wir, die Generation Y, werden es höchstwahrscheinlich. Da kann man noch so sehr „YOLO“ rufen oder Sprüche posten, dass man leben sollte, als sei heute der letzte Tag, aber mit viel größerer Wahrscheinlichkeit leben wir noch alle lang genug, um zu beobachten, wie sich die globale Lage verschärft. Anstatt sich um irgendetwas zu kümmern, wischen wir lieber gleichgültig durch Tinder, posten Selfies oder unser Mittagessen auf Instagram und ziehen uns ein paar Serien rein. Es gibt genug Baustellen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die den Wohlstandt in Europa bedrohen, aber wir scheinen so eingelullt von dem Glauben, dass Deutschland auf Ewig ein sicherer Hafen sei, dass man freiwillig akzeptiert, dass die Entscheidungen über die Zukunft von anderen gefällt werden.

Photo Credits: flickr.com; User. Glenn Halog