Arbeitslose Akademikerin – Woche 1: Neue Fähigkeiten

Vor einer Woche habe ich meine Masterarbeit abgegeben – ein großer Schritt, der sechs Jahre Studienzeit beendet hat. Allerdings leitet dieser Schritt auch eine neue Phase ein: den Übergang in die Arbeitslosigkeit. Da ich weiß, dass ich bei weitem nicht die einzige arbeitslose Akademikerin bin, habe ich dies zum Anlass genommen, in einer wöchentlichen Kolumne genau über dieses Thema zu schreiben. Ab der kommenden Woche erscheint sie wöchentlich und darin werde ich beleuchten, was Karrierenetzwerke wie LinkedIn und Xing eigentlich bringen, wie es ist bei den Eltern wieder einzuziehen und weshalb Unternehmen keine Absolventen einstellen möchten. Diese Woche geht es um den ersten Schritt in der Arbeitslosigkeit: neue Fähigkeiten lernen.

Arbeitslosigkeit nervt. Das Geld ist knapp, man ist sozial isoliert und langweilt sich. Diese Kolumne soll aber keine Meckertirade werden, es gibt nämlich tatsächlich einige Skills, die man sich aneignen kann:

1. Ein dickes Fell wachsen lassen
Ich gehöre zu den Leuten, die Glück hatten – das ist mir bewusst. Ich habe meine gesamte Studienzeit ein Stipendium erhalten, hatte Zeit für Ehrenämter und Praktika, habe mehrfache Auslandserfahrung und schließe mein Masterstudium mit einem Einserschnitt ab. Was allerdings im Bewerbungsprozess passiert ist folgendes: Ich kassiere eine Absage nach der anderen. Zweifelsohne ist dies manchmal frustrierend. Ich hatte bereits vergangenes Jahr in meinem Artikel „Generation rastlos – jung, ambitioniert, ängstlich?“ darüber geschrieben, wie getrieben sich viele Studierende fühlen, den CV zu verbessern, um genau diese Situation zu vermeiden, jetzt ist sie dennoch eingetreten. Die Kunst liegt nun darin, die negativen Nachrichten nicht persönlich zu nehmen oder an seinen Fähigkeiten zu zweifeln. Es ist daher ein Trost zu wissen, dass man nicht allein ist. Unabhängig vom Studiengang sind die Einstiegschancen nach dem Abschluss zunächst schwierig und prekäre Arbeitsverhältnisse sind leider gängig, das dokumentierten Die Zeit, taz, und Spiegel Online. Für den Erfolg in Bewerbungen ist allerdings ein gesundes Selbstbewusstsein wichtig – ein dickes Fell ist langfristig das A und O.

2. Optimismus und Motivation kultivieren
Es gibt viele Gründe, um die Motivation für die Jobsuche zu verlieren – Frustration wegen vieler Absagen ist mitnichten der einzige. Die süßen Seiten des Lebens sind nämlich auch verlockend und lenken ab. Nach der Abgabe der Masterarbeit bin ich erst einmal auf ein Festival gefahren und denke mir, dass ich mir nun auch das gönnen kann, worauf ich die vergangenen Monate verzichten musste – Freunde besuchen, Romane lesen, am PC zocken, in Parks abhängen und schlafen. Das ist auch wichtig, um den Stresspegel niedrig zu halten, allerdings droht die Spirale der Passivität und Gemütlichkeit, sodass man sein Ziel aus den Augen verliert. Langfristige Motivation und Optimismus bei der Jobsuche müssen kultiviert werden, sonst verlängert sich die Phase der Arbeitslosigkeit.

3. Gute Bewerbungen schreiben
Es ist eine Tatsache: die meisten Absolventen haben keine Ahnung wie sie sich selbst verkaufen sollen – und der Bewerbungsprozess ist letztendlich nichts anderes als personal Branding. Es lohnt sich Gedanken darüber zu machen, wie man die eigene Bewerbung originell gestalten kann, anstatt die klassischen Floskeln zu benutzen und zu erklären, dass man „komplexe Sachverhalte verstehen und analysieren“ kann. Dafür bedarf es einen Schritt zuvor: sich darüber klar werden, was man eigentlich wirklich kann. Notfalls muss man sich Wissen selbst aneignen, wenn man feststellt, dass die eigenen Fähigkeiten eher gering sind, was mich zum nächsten Punkt bringt.

4. Praktisches Wissen aneignen
Das akademische Leben ist ein abstraktes. Als Sozialwissenschaftlerin kann ich nun darüber sinnieren, wie unsere Realität sozial konstruiert ist oder wie sich die theoretischen Konzepte des Neorealismus vom Neoliberalismus unterscheiden, aber ich kann die 28 EU-Kommissare nicht zuordnen – und das als Absolventin der Internationalen Beziehungen! Schon ist man beim springenden Punkt – die Arbeitswelt braucht mehr als die hypothetischen Lösungen, die man in der Universität konstruiert, sondern es geht um echte Prozesse, echte Akteure und realitätsnahe Konzepte. Es erfordert das nötige Maß an Selbstreflexion, um die eigenen Wissenslücken zu identifizieren und daran zu arbeiten – das schließt sich ein gesundes Selbstbewusstsein auch nicht aus, im Gegenteil! Mit guter Vorbereitung ist man zudem für Bewerbungsgespräche gewappnet.

Ich glaube, es wird nicht leicht, eine gute Stelle zu finden, es ist aber nicht unmöglich. Resignation sollte mit Mitte 20 eh keine Option sein und manchmal öffnen sich neue Türen, von denen man gar nicht wusste, dass sie existieren. Ich weiß, dass ich kein Einzelfall bin und wüsste gerne, wie Sie das sehen. Was braucht es, um als Absolvent den Fuß in die Tür zu kriegen? Mehr Fähigkeiten oder vielleicht etwas komplett anderes, zum Beispiel ein gutes Netzwerk? Über Kommentare würde ich mich bei dieser Kolumne besonders freuen!

Foto: Andrew Schwegler; Creative Commons