Arbeitslose Akademikerin – Woche 3: Mit Xing und LinkedIn warm werden

Ich beginne mit einem Geständnis: ich war voreingenommen in Bezug auf die sozialen Karrierenetzwerke Xing und LinkedIn mit Hinblick auf deren Mehrwert und Nutzen. Mein Xing-Profil lag längst im Wachkoma und auch mein LinkedIn-Profil habe ich bestenfalls stiefmütterlich behandelt. Ich konnte einfach nicht begreifen, was mir ein zusätzliches Netzwerk mit denselben Kontakten wie bei Facebook bringen sollte, außer dass auf Xing und LinkedIn auch die größten Partylöwen aus meinem Studium in ein schickes Hemd geschlüpft sind.

Natürlich kann sich kein Nutzen mit so einer Einstellung ergeben. Deswegen: schnell den Koma-Patienten wiederbelebt, Profil aktualisiert, nach bekannten Kontakten gesucht und Beschreibungen zu meinen Karrierestationen hinzugefügt. Zu meiner Überraschung reagierte das Netzwerk: ein paar neue Likes, Nachrichten und neue Kontaktanfragen bestätigten die Annahme eines Kumpels: „Es geht um Sichtbarkeit!“ Dennoch war ich verwundert, wie wenige meiner Freunde aus der Universität und andere Facebook-Kontakte auf diesen Netzwerken vertreten waren – ich war nicht die einzige Skeptikerin.

Das Wirtschaftsmagazin Forbes liefert dazu interessante Daten: tatsächlich sind die meisten LinkedIn-Nutzer im Alter zwischen 50 und 64 Jahren, die Generation Y (18-33) ist hingegen viel passiver, obwohl auf LinkedIn offenbar gerade diejenigen vertreten sind, die bereits in einer guten Position oder gar selbst Arbeitgeber sind – also hilfreich sein können. Darüber hinaus nutzt die Mehrheit der Personaler LinkedIn, im Falle der USA sind es zwischen 85 und 98 Prozent! Auch in Deutschland ist zu erwarten, dass inzwischen ebendiese Plattformen genutzt werden, um Bewerber zusätzlich zu scannen – ein ausführliches Profil kann also tatsächlich hilfreich sein.

Von Absolventen kaum genutzt sind die Unternehmensseiten – nahezu jedes namenhafte Unternehmen hat eine Seite auf den Karrierenetzwerken, wo nicht nur manchmal alternative Informationen zu finden sind, sondern auch die Arbeitnehmer. Dies ist besonders spannend, um zu analysieren, welche Fähigkeiten und Erfahrungen es braucht, um an eine bestimmte Position zu kommen und was man bei sich selbst noch ausbauen muss. Zudem kann man den Unternehmen auch folgen und erhält somit auch aktuelle Stellenanzeigen, die in den Jobportalen untergehen würden.

Tatsächlich bieten Karrierenetzwerke Vorteile, die mich dazu bewogen haben, meine Informationen besser zu pflegen, auch wenn die Eigeninitiative bei der Jobsuche am meisten zählt. Nichtsdestotrotz fühlt sich Netzwerken auf solchen Seiten noch etwas unbehaglich an – es ist ein wenig wie auf einem Bankett, auf dem man nur die alten Schulfreunde kennt, aber zugleich adrett und seriös wirken will, in dem Fall, dass man von einflussreichen Personen bemerkt werden sollte. Die Krux liegt darin, seine Authentizität und Menschlichkeit nicht zu verlieren, schließlich steckt hinter jedem makellosen Bewerbungsfoto eine Persönlichkeit mit Meinungen und Erfahrungen.

Mich interessiert – welche Erfahrunen haben Sie gemacht? Bringen Karrierenetzwerke etwas oder geht es auch ohne?

Neugierig darauf zu lesen, wie es mir bisher erging? Lesen Sie meine Gedanken aus Woche 1 zum Thema „neue Fähigkeiten“ und Woche 2 über Ängsten und Zweifel.

Foto:  www.gotcredit.com; Creative Commons

Advertisements