Arbeitslose Akademikerin – Woche 4: Das Bewerbungsgespräch: sinnvoll oder oberflächlich?

Irgendwann klappt es doch: nach vielen erfolglosen Bewerbungen bewegt man sich im Recruiting-Prozess voran. Viele große Organisationen mit immensen Bewerberfluten verzichten bei Praktikums- und Traineestellen weitgehend auf persönlichen Kontakt. Sie setzen auf digitale IQ-, Reaktions- und Persönlichkeitstests oder Bewerbungsmasken. Zumindest kann auf diese Art Diskriminierung vorgebeugt werden. Bewerbungsgespräche bieten zwar die Möglichkeit zu sehen, ob die Chemie stimmt und wie kompetent der Bewerber wirklich ist, auf der Kehrseite können sie sich auch zu einem reinen Mienenfeld entwickeln – besonders für Frauen.

Vorbereitung besticht – Unterbewusstsein entscheidet

Im Austausch mit Freunden, die ebenfalls durch Bewerbungsprozesse laufen, wird eines deutlich: Vorbereitung und Ehrlichkeit bleiben das A und O. Man kann sich darauf einstellen, dass gefragt wird, warum man zu dem jeweiligen Unternehmen passt, weshalb man sich beworben hat oder wo man sich in Zukunft sieht. Auch scheinbare Ungereimtheiten aus dem Lebenslauf können angesprochen werden – wer auf all diese Fragen keine Antwort parat hat, wirkt unvorbereitet. Auch was die Kleidung betrifft, kann man sich vorbereiten. Es gibt genug Online-Ratgeber, die auf dezente Farben und Muster verweisen, der Stil soll der Position entsprechen, Frauen sollten mit Röcken und Kleidern wegen der Länge aufpassen, keine Schuhe mit offenen Zehen wählen sowie Nylon-Strümpfe tragen, sobald Bein gezeigt wird. Auch sympathisches Auftreten, Small-Talk und eine ähnliche Körpersprache überzeugen Personalchefs. Das alles ist im Grunde nichts Neues.

Dennoch gibt es einige Aspekte, die Personaler beeinflussen, so vehement sie auch versuchen es zu vermeiden. Die Studie einer Soziologin hat gezeigt, dass typisch männliche Gesichtsmerkmale von Vorteil sind, wenn es um Führungspositionen geht. Breite Schultern, ein markantes Kinn und Nase wirken unterbewusst überzeugender. Frauen wird daher geraten, lange Haare hochzustecken oder zusammenzubinden, um die Gesichtskanten mehr zu betonen. Ferner zeigte die Studie nämlich auch, dass Personen mit weicheren Gesichtszügen, mit härteren Fragen konfrontiert werden. Auch mit Accessoires, Nagellack und Parfüm müssen Bewerberinnen vorsichtig sein – zu feminine Bewerberinnen haben es bei ranghohen Positionen schwer.

Tatsächlich ist der äußere Eindruck wesentlicher als Gedacht – Studien zeigen, dass schöne Menschen mehr Geld verdienen und seltener Arbeitslos sind. Für Führungspositionen werden fitte Bewerber gesucht, untergewichtige Männer sind im Nachteil, genauso wie übergewichtige Frauen. Unterbewusst verbindet man mit körperlicher Fitness auch persönliche Eigenschaften wie Disziplin und Ehrgeiz. Zwar habe ich keine Informationen darüber, dass die führenden Persönlichkeiten der Weltwirtschaft und Politik allesamt Spitzensportler sind, allerdings zählt gutes Aussehen mehr als man sich eingestehen würde. Vorsicht ist allerdings geboten: zu viel Schönheit kann ein Nachteil sein – vor allem wenn der Personalchef das gleiche Geschlecht wie der Bewerber hat. Besonders auffällig ist dieser Trend bei jungen Frauen. Während diese nämlich bei männlichen Personalern punkten würden, kann ihr Aussehen tatsächlich ein Nachteil sein, wenn ihnen eine weniger attraktive weibliche Personalchefin gegenüber sitzt.

Wie sind ihre Erfahrungen? Zählt das Aussehen bei Bewerbungsgesprächen wirklich oder geht es am Ende doch nur um die Kompetenz? Sind andere Recruiting-Methoden besser geeignet?

Lesen Sie über meine Gedanken aus den vorherigen Wochen:

Arbeitslose Akademikerin – Woche 1: Neue Fähigkeiten
Arbeitslose Akademikerin – Woche 2: Angst frisst Seele
Arbeitslose Akademikerin – Woche 3: Mit Xing und LinkedIn warm werden

Foto: Creative Commons; Texas A&M University

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