No More „Arbeitslose Akademikerin“ oder „Einstieg ins Berufsleben“

Es war eine unnormal lange Blogging-Pause – nahezu vier Wochen lang. Dies hatte allerdings einen Grund: ich habe kurzfristig einen Job gefunden und dann musste alles schnell gehen – Umzug, Kleidung kaufen, eingewöhnen und natürlich arbeiten. Um diese Kolumne ordentlich abzuschließen, habe ich mich nun entschieden, einige meiner Gedanken aus einem neuen Blickwinkel zu reflektieren.

„Wie findet man also einen Job?“

Die wesentliche Frage ist offenbar, was mich zu meinem jetzigen Job gebracht hat. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus einem soliden Netzwerk, gesundem Selbstbewusstsein bezüglich der eigenen Fähigkeiten und einer Portion Glück. Zudem glaube ich auch, dass es hilfreich war, motiviert, offen und standhaft zu sein und konstant an der Jobsuche dranzubleiben. Früher oder später stellt sich der Erfolg ein, aber man darf keine Möglichkeiten auslassen, denn man weiß nie, welche Tür sich öffnen kann. Fragt also Bekannte und Freunde nach Tipps und Hinweisen, korrigiert und überarbeitet euren Lebenslauf regelmäßig und seid aufmerksam.

„Sind Xing und LinkedIn wirklich praktisch?“

Jein. Tatsächlich hat sich auf beiden Netzwerken einiges getan seitdem ich meinen Job gefunden habe und es hilft, seine Kontakte gesammelt und sortiert in einem Netzwerk zu finden. Nach gegenwärtigem Bauchgefühl würde ich dennoch niemanden für substanzielle Gespräche über Xing oder LinkedIn kontaktieren, sondern die klassische Variante wählen – E-Mail oder Telefon.

„Warum gibt es so wenige Einstiegsmöglichkeiten für Absolventen?“

Lange hatte ich überlegt, Personaler danach zu fragen, weshalb es tatsächlich so wenige Stellen für Absolventen gibt. Ich halte es noch immer für unfair anzunehmen, dass jemand mit geringer Berufserfahrung nicht im Stande ist, sich schnell in Themen und Prozesse einzuarbeiten. Jedoch muss man sich auch darüber bewusst sein, dass man frisch aus der Uni mit einer sehr abstrakten Vision von Arbeit rauskommt und viel schwammiger denkt, als es in der Praxis nötig ist. Während man in der Uni darauf getrimmt wird, schöne Worthülsen zu bauen, möglichst facettenreich zu schreiben und ausführlich zu sein, ist so viel Prosa im Berufsleben unwichtig. Man muss so ehrlich sein und sich nach dem Abschluss eingestehen, dass die Diskrepanz zwischen praktischen und fachlichen Fähigkeiten manchmal doch größer ist, als einem lieb ist. Eine Karriere baut man deswegen mit langem Atem auf.

„Vermisst du die Uni?“

Nein. Natürlich ist man viel beschäftigter und hat vermeintlich weniger Zeit für Freunde und seine privaten Interessen, allerdings bietet das Berufsleben auch schöne Seiten: Eigenverantwortung, abwechslungsreiche Themen, finanzielle Planbarkeit. Auch die Frage nach der Zeit für das Privatleben ist relativ – während man ohne strukturierten Tagesablauf zum Prokrastinieren und Dauerschauen von Serien neigt, nimmt man sich bewusst Zeit für sein Umfeld und weiß diese Zeit dafür umso mehr zu schätzen. Das Studentenleben war eine schöne Zeit mit vielen Freiheiten und Annehmlichkeiten, aber irgendwann ist der Moment auch gekommen, in dem man sich weiterentwickeln will. Selbst wenn der Gedanke gruselig ist, man könnte sich mit der Zeit in einen Alltags-Zombie verwandeln, bin ich da angekommen, wo ich sein will.

Fazit: Den Mut nicht verlieren!

Meine erste Bewerbung habe ich Ende Januar geschrieben und bis zum Berufseinstieg habe ich viele Absagen kassiert. Insgesamt hat es über ein halbes Jahr gedauert. Es ist wesentlich optimistisch zu bleiben – anders überzeugt man nicht und verliert langfristig die Motivation bei der Jobsuche. Es ist nicht leicht, man kann auch nicht erwarten, dass einem die Dinge in den Schoß fallen, aber wenn man flexibel bleibt, die Augen nach neuen Möglichkeiten offen hält und bereit ist, an sich zu arbeiten, steigt man auch ins Berufsleben ein.

Blickt mit mir auf meine Arbeitssuche zurück:

Arbeitslose Akademikerin – Woche 1: Neue Fähigkeiten
Arbeitslose Akademikerin – Woche 2: Angst frisst Seele
Arbeitslose Akademikerin – Woche 3: Mit Xing und LinkedIn warm werden
Arbeitslose Akademikerin – Woche 4: Das Bewerbungsgespräch: sinnvoll oder oberflächlich?
Arbeitslose Akademikerin – Woche 5: Was will ich eigentlich?
Arbeitslose Akademikerin – Woche 6 und 7: Man ist nicht allein!

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