Schon einmal über Leukämie nachgedacht?

Wenn man jung und gesund ist, denkt man selten an Krankheiten. Falls etwas passiert, glaubt man, dass die Medizin inzwischen genug fortgeschritten ist, um einem zu helfen. Manche Menschen haben allerdings weniger Glück und erhalten die Diagnose, die einem das Mark im Bein erfrieren lässt: Leukämie – Blutkrebs.

Auch ich habe mich nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt – bis ich bei der Verleihung des Engagementpreises 2015 des Ehemaligenvereins der Friedrich-Ebert-Stiftung war. Jährlich werden soziale Initiativen prämiert, die sich für sozial Benachteiligte und Schwache einsetzen. Die diesjährigen Gewinner bemühen sich auf unterschiedliche Art und Weise das Leben von Flüchtlingen zu erleichtern, sei es durch Bildungsangebote der Leuphana Universität, Unterstützung von Minderjährigen (SolidariGee) oder Nothilfe und Versöhnungsarbeit in Flüchtlingscamps (Relief & Reconciliation for Syria) im Libanon.

Beim Engagementpreis stellen aber auch die Gewinner des Vorjahres die Entwicklung ihrer Initiativen vor – dabei fiel mir besonders die Studierendeninitiative AIAS auf, welche die Aufklärung über Leukämie und die Typisierung für die Deutsche Knochmarkspenderdatei fördert – „Leben retten zwischen zwei Vorlesungen“ lautet die Devise. Ein wichtiges Projekt, denn alle 16 Minuten erkrankt jemand an dieser heimtückischen Krankheit – dabei kann sie durch eine Stammzellspende besiegt werden. Bei dem Gedanken an Stammzellenspende dachte ich bisher immer eins: Panik, OP unter Vollnarkose, Risiken, riesige Nadeln! Dann wurde ich eines Besseren belehrt.

Meine bisherigen Ausreden und Bildungslücken

Geht es um Rückenmark? Nein. Knochenmark ist nicht dasselbe wie Rückenmark – dieses wird nicht berührt.

Die Typisierung ist doch bestimmt aufwändig, oder? Nein. Man braucht weder Zeit, noch viel Aufwand. Auf der Website der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) kann man sich registrieren und erhält einige Tage später ein kleines Päckchen. Darin enthalten: zwei Wattestäbchen. Mit diesen schabt man sich von der Wange ein wenig Schleimhaut ab. Diese Wattestäbchen legt man in den beigefügten Briefumschlag und schickt ihn auf den Postweg.

Kostet das Geld? Nein. Die Kosten bei der Registrierung belaufen sich bei 50€ für den gesamten Prozess, diese werden allerdings von der DKMS übernommen – natürlich sind auch Geldspenden willkommen, um bspw. solche Kosten zu decken.

Wie läuft die Stammzellspende ab? Davor hatte ich bisher immer Angst – ich dachte, man müsste immer unters Messer, um Knochenmark aus dem Beckenkamm zu spenden. Stimmt aber gar nicht. Bei 80% der Fälle muss man heutzutage lediglich „Blut spenden“ – das ist die periphere Stammzellspende. Ok, es ist ein klein wenig komplizierter, aber nicht wesentlich. Vorher geht man durch einen Gesundheitscheck und nimmt ein Mittel ein, das die lebensrettenden Zellen vermehrt produziert. Natürlich gibt es auch Fälle, bei denen man unters Messer muss, aber das ist bedeutend seltener.

Das war’s?

Jein – es gibt natürlich viel mehr Infos auf der Seite der DKMS über Blutkrebs und die Stammzellspende. Sonst schon – Wattestäbchen rein, bisschen rumschaben, einpacken, fertig. Falls jemand dann Hilfe benötigt, lässt man sich etwas Blut abnehmen – das ist weder heroisch, noch zeitaufwändig, aber man kann damit Leben retten. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie nerven- und kräftezehrend es ist, einen passenden Spender zu finden, bisher gibt es nämlich zu wenige Menschen, die das freiwillig machen. Blutkrebs ist willkürlich, es könnte deine beste Freundin, deinen Vater, deinen Mitarbeiter oder deine Nichte treffen unabhängig vom Lebensstil – genauso wie es bereits vielen anderen passiert ist. Mit sehr wenig Mühe kann man diesen Menschen Hoffnung schenken, man bleibt schließlich in der Kartei bis zum 61. Lebensjahr – allein das ist Grund genug um mitzumachen.

Foto: DKMS