Neujahrsvorsätze – lasst den Quatsch!

Mehr Sport, mehr Zeit mit der Familie, weniger Alkohol, das Rauchen aufhören, weniger Stress zulassen, mehr Reisen, etc. Jedes Jahr aufs Neue machen sich Millionen Menschen die Mühe, sich Neujahrsvorsätze auszudenken – und scheitern kläglich. Die Euphorie mancher reicht ein paar Tage, andere schaffen es mit viel Disziplin bis Mitte März. Auch wenn es möglich ist, sein Leben zu ändern, spricht so vieles gegen Neujahr als Startzeitpunkt.

Gewohnheiten ändert man nicht in einer ungewöhnlichen Situation

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – selten zeigt sich der Wahrheitsgehalt dieses Satzes so sehr wie bei Neujahrsvorsätzen. Psychologen gehen davon aus, dass neue Gewohnheiten leichter anzulernen sind, als alte abzustreifen und dass das soziale Umfeld und Routine eine wichtige Rolle spielen. Je nach Gewohnheit dauert es manchmal einige Wochen, manchmal sogar Jahre bis wir in ein neues Verhaltensmuster gelernt haben. Wieso sollte eine Umstellung gerade an Silvester klappen, wenn absolut nichts der Alltagsroutine entspricht?

Man hat in der Regel einige Tage bei der Familie verbracht und hatte Zeit zum Ausschlafen und beginnt das neue Jahr mit einer großen Party. Allein die Tatsache, dass man keinen Arbeits- oder Studienalltag um sich herum hat, lässt die Umsetzung von Neujahrsvorsätzen leicht erscheinen – bis man sich einige Tage nach Neujahr zwischen zwei Meetings auf die Schnelle ein Rosinenbrötchen in den Mund stopft um den Blutzucker stabil zu halten oder abends mit seinen Freunden in der Raucherecke sitzt. Der Alltag macht einem einen Strich durch die Rechnung, weil man dachte, dass man sich ohne Planung einfach mal gesund ernähren könnte oder es keine Energie neben den Routineaufgaben kosten würde an sich selbst zu arbeiten.

Meint man es überhaupt wirklich ernst?

Ich frage mich, wie ernst man Neujahrsvorsätze meinen kann, wenn sie im Grund aus einem sozialen Trend entstehen – es gehört dazu, dass man sich über das neue Jahr Gedanken macht und wird dazu befragt. Wenn man etwas an seinem Leben ändern möchte, ist die (intrinsische) Motivation entscheidend. Außerdem wirkt es unvorteilhaft, wenn man das Jahr direkt mit dem Brechen der eigenen Ideen beginnt: Der 1. Januar beginnt für die meisten mit inkonsequentem Verhalten zu den Vorsätzen – man trinkt das eine oder andere Glas Sekt zu viel, raucht „ein letztes Mal“ auf dem Balkon mit seinen Freunden und bestellt sich eine fettige Pizza, wenn man den Folgetag mit so wenig Bewegung wie möglich im Bett überstehen möchte. Das demotiviert.

Plötzlich merkt man dann, dass man sein Leben bisher irgendwie doch ganz gemütlich gefunden hat und kein Sixpack braucht, um glücklich zu sein. Schnell werden die ganzen Neujahrsvorsätze vergessen und elf Monate später wieder ausgegraben, wenn es wieder an der Zeit ist, sich selbst zu belügen. Die angestrebte ständige Selbstverbesserung ist zudem anstrengend – niemand wird langfristig Zeit und Energie für etwas opfern, das er nicht ernst meint.

Realistisch bleiben – Veränderungen sind möglich

Wenn jemand wirklich etwas an seinem Leben ändern möchte, braucht er keinen bestimmten Zeitpunkt dafür, sondern einen Plan. Vorsätze sind viel realistischer, wenn sie nicht wie ferne Wünsche formuliert, sondern als Ziele mit Zwischenetappen gegliedert werden. Eine bewusste Entscheidung und die ehrliche Motivation sind an der Stelle genauso wesentlich, wie das richtige Maß: es ist viel herausfordernder alle Laster auf einmal abzulegen (falls man dies wirklich möchte), als punktuell an sich zu arbeiten. Mit kleinen Erfolgserlebnissen, die auch dem eigenen Alltag und Lebensrhythmus entsprechen, sowie Durchhaltevermögen erreicht man viel mehr als mit der mantrischen Wiederholung seiner Vorsätze.

Habt ihr Neujahrsvorsätze? Hat es bei euch vielleicht schon einmal geklappt konsequent zu bleiben? Ich wünsche allen auf jeden Fall viel Erfolg für ihr Vorhaben im neuen Jahr.