Google-Suche: Frau kaufen

Timothy Marsee (CC BY 2.0)

Letztens in meiner Blogstatistik: unter den Suchbegriffen, die Leser auf die Seite geführt haben, war unter anderem „Frau kaufen“ – ich war ein wenig verwundert, wie dieser Suchbegriff zu meiner Seite führt, allerdings war ich viel neugieriger zu sehen, was bei so einer Suche rauskommen würde. Ich landete auf Partnervermittlungsseiten, Foren und Sugar-Daddy-Portalen. Eine Erkundungstour.

Vom Kennenlernen bis zur Hochzeitsreise – Partnervermittlungen bieten alles an

Was meine Suchmaschine des Vertrauens sehr schnell anzeigt, wenn man nach „Frau kaufen“ sucht, sind Partnervermittlungsseiten auf denen Kontakte nach Osteuropa, Asien oder Lateinamerika hergestellt werden. Mein erster Gedanke ist: Menschenhandel. Allerdings beteuern die Betreiber der Seiten, dass der Prozess der Vermittlung seriös verläuft und die Frauen freiwillig angemeldet sind. Nun gut, ich will niemandem etwas unterstellen – Ehe war bis in die Nachkriegszeit oft von wirtschaftlichen Interessen getrieben, daher kann ich niemandem einen Vorwurf machen, wenn man keine Information über die Art der eigentlich Beziehung habe. Nein, ich will nicht urteilen, auch wenn in meinem Sozialwissenschaftlerhirn sofort Konfliktlinien aufleuchten, wie die strukturellen Zwängen, die Frauen wohlmöglich zur Entscheidung bringt sich bei einer Partnervermittlung anzumelden (und folglich ihre Heimat mit einem nahezu fremden Mann zu verlassen) sowie das einseitige Machtverhält, das zwischen dem „Käufer“ und der Frau besteht.

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Tatsächlich erwecken manche Seiten den Eindruck, es handle sich um eine Art Einkauf – eine Website vermittelt ein All-Inclusive-Paket: Vermittlung, Betreuung bis zum Kennenlernen, Bearbeitung der Visa-Formalien sowie Flug und Hotel – für knapp 3.700 Euro. Urlaub mit Heiratsoption quasi. Eine andere Website bietet Ehen mit Ukrainerinnen an für 500 Dollar – ein echter Schnapper. Allerdings wird explizit darauf verwiesen, dass dies nicht bedeutet, dass die Frau auch echtes Interesse am Mann haben wird. Andere Partnervermittlung vermitteln lediglich Kontakte über Abos – monatlich kostet die Mitgliedschaft 30-50 Euro, die Frauen stammen aus Tschechien oder der Slowakei.

Deutsche Frauen = zu anspruchsvoll?

Ein interessantes Argument lese ich wiederholt in Foren und auf Partnervermittlungsseiten – deutsche Frauen seien schlicht zu anspruchsvoll. Das verwundert mich ein wenig. Zwar hatte ich oft gehört, dass Männer von den Erwartungen an ihre Geschlechterrolle überfordert sind – stark und dennoch sensibel sollen sie angeblich zeitgleich sein – und eingeschüchtert seien von unabhängigen Frauen, hätte aber nicht daran gedacht, dass manche dies zum Anlass nehmen, sich tatsächlich eine Gefährtin zu erkaufen.

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osteuropa

Der Gedanke, dass Frauen in Deutschland zu anspruchsvoll sind, scheint wohl doch in dem einen oder anderen Herrn zu brodeln. Die Frage, die sich dadurch stellt ist – warum? Warum schaffen es moderne erwachsene Menschen nicht, sich auf eine normale Art zu einigen was ihre Wünsche betrifft, ohne dass jemandes Ego oder Selbstverständnis dabei verletzt wird? Außerdem: warum wird das Selbstbewusstsein und die Unabhängigkeit von Frauen als anstrengend empfunden? Und – wie viele Männer denken wirklich so? Dass diese Fragen unbeantwortet bleiben, liegt besonders an der Diskussionskultur, wie über Geschlechterrollen gesprochen wird – von der Genderkeule ist die Rede, männerfeindlichen Feminazis, die im Kontrast zu chauvinistischen Machohengsten stehen, welche sich wiederum ihre kleinen sexistischen Witze nicht verkneifen können. Solange solche Fronten bestehen, werden auch keine Fragen geklärt, im Gegenteil. Dass der Anteil der Singles wächst, ist auch auf die Missverständnisse zwischen den Geschlechterrollen zurückzuführen. Für manche kam der Umbruch des Rollenverständnisses zwischen Mann und Frau offenbar wohl zu schnell, daher suchen sie lieber dort, wo die Werte noch konservativer sind.

Sugar Daddys, Sugar Babys und Dating-Auktionen

Es überrascht mich immer wieder zu sehen, wie häufig Geld und Liebe eng miteinander verbunden sind. Während im Beispiel der Partnervermittlungen der Mann sich Zugang zu Frauen erkauft, entdeckte ich unzählige Seiten, bei denen Frauen offensiv einen Sugar Daddy suchten – einen Mann, der sie finanziell aushält. Dafür bieten sie „Liebe“ – in welcher Form auch immer. Wieder schreit mein Hirn, dass dies doch Prostitution sei, aber nein – auf Websites wie sugardaddymeet.com gibt es vermeintliche Beispiele von Frauen, die sich in der starken Position des Nutznießers sehen. Explizit wird dabei nach stilvollen Studentinnen, angehenden Schauspielerinnen und Models gesucht. Auf der Facebook-Seite dieses Portals sind Beispiele aus der Kartei aufgeführt – zweifelsohne schöne Frauen mit Modelmaßen, aber auch viele Fakes, bei denen Fotos von Prominenten benutzt werden. Wie seriös die Seite funktioniert, ist also nicht klar.

Spannend fand ich auch das Konzept von whatsyourprice.com: auf diesem Portal kann man sich anmelden und Männer bieten eine Summe für ein Date mit einer Dame – der Höchstbietende bekommt den Zuschlag, genau wie bei einer Auktion. Dies sei besonders eine Kompensation für die Vorbereitungskosten – Haare, Makeup, Outfit. Ok. Von mir aus.

Alte Bedürfnisse in neuem Anstrich

Die Seiten haben mich nicht schockiert, da sie im Grunde alte menschliche Sehnsüchte befriedigen (sonst wären sie auch nicht so erfolgreich). Die Sehnsucht nach Liebe, Zuneigung und einer dauerhaften Partnerschaft besteht in vielen Menschen – wenn es nun einmal nicht in ihrem Umfeld klappt, dann sind sie wohl auch bereit Geld auszugeben, um einen exklusiven Zugang zu den Frauen ihrer Wahl zu haben. Auch Seiten, auf denen Frauen sich anbieten sind im Kern nichts Neues: es gab immer Menschen, die einen exklusiven Lebensstil haben möchten ohne dafür zu arbeiten. Auch Seiten, auf denen explizit Seitensprünge vermittelt werden (was im Grund gar nicht nötig ist – bei Tinder sind 42% der Mitglieder sowieso vergeben), sind im Grunde nur ein Symptom für das Bedürfnis nach einem Abenteuer.

Schwieriger wird es, wenn man hinterfragt, warum solche Trends fortbestehen, in denen der Mann weiterhin am längeren Hebel sitzt, zumindest wenn es um finanzielle Mittel und somit auch die Sicherung einer Familie geht. Man muss dafür nicht nach Thailand oder die Philippinen reisen, um zu merken, dass mit finanzieller Abhängigkeit auch Freiheit verloren geht und im Umkehrschluss Selbstständigkeit durch ein sicheres Gehalt gewonnen wird – vielleicht ist das der Grund für die vermeintlich zu hohen Ansprüche der Frauen in Deutschland? Oder brauchen Männer schlicht eine neue Art der Wertschätzung und des Gefühls gebraucht zu werden, die jenseits des klassischen Verständnisses des Geldverdieners in einer Familie geht?

 

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