Krass: Mit dem Fahrrad von München nach Athen

Srikanth Jandhyala (CC BY 2.0)

„Ich fahre im Frühling von München nach Athen mit dem Fahrrad.“ Es war wieder eine dieser typischen Ideen, bei der ich mir zuerst dachte „Was? Wie? Warum?“ – eine häufige Reaktion, wenn Christian mir etwas von seinen Plänen erzählt. Wir kennen uns seit knapp sechs Jahren aus dem Studium und schnell merkte ich bereits damals, dass unter seinen dunklen Locken Neugier und Tatendrang sprudeln. Wegen seines großen Interesses an sozialer Ungerechtigkeit und menschlichen Schicksalen, die jenseits unserer Wahrnehmung sind, hatte er bereits ein Jahr in Südafrika verbracht. Er erklärte mir, es hätte ihm als jungem Abiturienten die Augen geöffnet, ihn vollkommen verändert. Dann war er irgendwann in Bolivien, dann irgendwann in Ecuador und wechselte seine Wohnorte in Europa im Monatstakt. Ich dachte, er würde sich jetzt endlich eine Verschnaufpause gönnen – aber weit gefehlt.

„Ich hab‘ da so eine Idee“, fing er an und erklärte mir, dass er mit dem Fahrrad von München nach Athen fahren will. Es ging ihm aber nicht nur um die körperliche Herausforderung bei Wind und Wetter 2000 Kilometer zurückzulegen, er wollte genau entlang der Westbalkanroute reisen. Dass es gefährlich sein könnte, war für Christian nie ein Grund, einen Schritt nicht zu wagen, daher war ich auch nicht überrascht, als er ausführte, wie sehr ihn die aktuelle politische Lage störte unter der Flüchtlinge zu leiden haben. Darum ging es also. Grenzkontrollen seien veraltet und egoistische Machtspielchen werden auf dem Rücken von Schutzsuchenden ausgetragen. Christian will sehen, was diese Verhältnisse für die Menschen in Idomeni und anderen Grenzorten bedeuten und wie die lokale Bevölkerung darauf reagiert.

Bald begibt sich Christian auf die Reise und dokumentiert seine Erlebnisse auf einem Blog, gleichzeitig koppelt er seine Tour mit einem Spendenaufruf für ein Projekt des Deutschen Roten Kreuzes, was Erst- und Notfallversorgung für Flüchtlinge sichert. Unter folgendem Link könnt ihr mehr über sein Vorhaben, seine Erfahrungen, aber auch politische Meinungsartikel lesen: https://chrisbikes.wordpress.com/ Aktuelle Entwicklungen könnt ihr auch Facebook verfolgen.

Ich bin gespannt, was seine Reise bringen wird und wünsche ihm viel Glück.

Advertisements