Sozialliberal & süffisant: jetzt auch das Süddeutsche Zeitung Magazin

Liebes Magazin der Süddeutschen Zeitung, normalerweise mag ich dich ja sehr gern, aber deine Online-Redaktion hat Mist gebaut mit folgendem Facebook-Video:

Kurz geschmunzelt und mir dann gedacht: „Ist das eigentlich diese bildungselitäre herablassende Art, über die alle reden?“
Leute zu belächeln, gar ins Lächerliche zu ziehen, weil sie ungebildet sind oder eine Rechtschreibschwäche haben, nur um die eigenen Positionen zu stärken, ist eine sehr inhaltlose und gefährliche Art, um mit dem Thema umzugehen. In letzter Zeit lese ich viele Artikel darüber, dass die Bildungselite gerade mit solchen Mitteln den Eindruck unter „einfachen Arbeiten“ verstärkt, dass „die da oben“ keine Ahnung von ihrer Lebenswirklichkeit haben, davon nehme ich mich selbst nicht aus. Zeit.de schrieb erst letztens darüber, dass junge Linke den Bezug zur Wirklichkeit verloren hätten – klar, die allermeisten sitzen im Elfenbeinturm der Universität.

Bürger, die gegen Integration wettern, aber das Wort nicht richtig schreiben können, sind doch nur „dumme Nazis“. Wir, die sozialliberale Bildungselite, würden aber nie einen bildungsfernen oder gar dummen Flüchtling belächeln, oder? Mitgefühl und Verständnis für diejenigen zu entwickeln, die denselben Wertekonsens teilen, ist einfach. Mitgefühl und Verständnis für diejenigen entwickeln, die eine komplett andere Lebenswelt haben, ist dagegen gesellschaftsprägend.

Ich glaube, dass es 1. ein Widerspruch zur „linksliberalen Erziehung“ ist, sich in so einem Fall lustig zu machen. Es ist schließlich allgemeiner Konsens, dass man sich nicht über Schwächere/ Benachteiligte lustig machen soll. Das muss genauso für Flüchtlinge gelten wie für diejenigen, die bildungsschwach, sozialschwach, intellektuell schwach oder schlicht nicht eloquent genug sind sowie für diskriminierte Gruppen. Soweit die Logik. Heutzutage sind nun einmal die wesentlichen Ressourcen Intellekt und Bildung, um aufzusteigen und wenn man hämisch über diejenigen lacht, die in dieser Hinsicht weniger Glück hatten, torpediert das den letzten Kern der Empathie und Solidarität zwischen Bürgern. 2. Sehe ich als sehr schwierig, wenn eine Zeitung, die als seriöses Nachrichtenformat wahrgenommen werden will, auf diese Schiene abdriftet, aber zugleich häufig beklagt, dass der Diskurs verroht. Es wird tatsächlich deutlich, dass auch linksliberale Journalisten von den Problemen der „kleinen Leute“, die kein Abitur oder Studienabschluss vorzuweisen haben, entfernt sind und die Nase über die „Assis“ rümpfen. Links reden, konservativ handeln.

Klar, ich verstehe, dass man genervt ist, wenn man ständig aggressive, pöbelnde Kommentare liest und will dagegenhalten. Ja, auch ich finde es schockierend, wie viele Leute rassistische, xenophobe und islamfeindliche Einstellungen haben, aber glaubt ernsthaft jemand, dass das Problem dadurch gelöst wird, wenn man ebendiesen Leuten das Gefühl gibt, gesellschaftlich wertlos zu sein? Ein wenig mehr Bescheidenheit, Dialogbereitschaft und Selbstreflexion helfen manchmal auch, sonst wird das sozialliberale Aushängeschild lediglich zu einer Farce.

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