Gute Arbeit schützt vor antidemokratischen Einstellungen

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung sieht gute Arbeit als Grundpfeiler für eine positive Haltung zur Demokratie. Faire Löhne, Gestaltungsfreiheit und Wertschätzung können dabei einen maßgeblichen Unterschied machen. Unternehmen und Führungskräfte haben damit einen starken Einfluss auf den gesellschaftlichen Frieden – genauso wie die Tarifpartner und Betriebsräte.

Erwerbslosigkeit, Abstiegsängste und negative Erfahrungen mit Transformation begünstigen antidemokratische Haltungen

Für die Studie unter Federführung von Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, Dr. Dorothea Voss und Dr. Andreas Hövermann untersuchte das Meinungsforschungsinstitut IPSOS die Einstellungen von über 4100 Personen. Sie mussten ihre Zustimmung zu 15 Thesen telefonisch darlegen. Die Forschenden fanden heraus, dass unter den Erwerbstätigen 10 Prozent antidemokratische und menschenfeindliche Einstellungen in hohem Ausmaß teilen. Unter Menschen ohne Erwerbstätigkeit ist der Anteil der Menschen mit antidemokratischen Einstellungen doppelt so hoch.

Während eine faire Bezahlung ein Aspekt ist, der einen Einfluss auf die Werteeinstellung hat, spielen auch andere Faktoren eine große Rolle: Wer das Gefühl hat, Gestaltungsfreiheit in seinem Beruf zu haben und Wertschätzung erfährt, stimmt antidemokratischen Thesen tendenziell seltener zu. Auch das Gefühl eine sichere berufliche Perspektive zu haben, verringert die Wahrscheinlichkeit antidemokratischen Thesen zuzustimmen. Die Forschenden sehen die Rolle von Arbeit als essenziell an, um demokratische Stabilität aufrechtzuhalten:

„Es wird für die Zukunft daher eine zentrale Aufgabe sein, Arbeit so zu gestalten, dass sie ein Instrument gesellschaftlicher Integration bleibt beziehungsweise wieder wird.“

Angesichts der ökologisch-digitalen Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft sind Wirtschaft und Politik gleichermaßen gefragt, um Menschen mitzunehmen und Abstiegsängste zu verringern. Die Forschenden sehen nämlich auch einen Zusammenhang zwischen der Erfahrung mit der digitalen Transformation und demokratischem Verständnis. Unter den Erwerbstätigen, die sehr negative Erfahrungen mit Digitalisierung am Arbeitsplatz gemacht haben, weisen 12 Prozent ein hohes Maß an antidemokratischen Haltungen auf, ganze 49 Prozent ein mittleres Maß an antidemokratischer Haltung. Bei denjenigen, die positive Erfahrungen sind, sind diese Anteile viel geringer und liegen bei 3, bzw. 30 Prozent.

Arbeit ist mehr als nur Geldverdienen

Die Studie der Böckler-Stiftung zeigt, dass Arbeit einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft hat. Sie ist mehr als nur ein Vehikel, um Geld zu verdienen. Sie hat eine integrative Bedeutung. Historisch hat Arbeit dazu beigetragen, dass Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, Herkünften und Geschlechtern in einem Markt teilnehmen konnten, der ihnen bestenfalls eine bessere Zukunft ermöglichte.

Arbeit ist somit ein fundamentales Instrument, um das Vertrauen in „das System“ – also den Staat und die Wirtschaft – zu stärken.

Unternehmen, Regierungen und Sozialpartner haben eine große Verantwortung. Sie müssen Arbeit auf eine Weise gestalten, die Menschen Chancen, Perspektiven und das Gefühl von Zugehörigkeit bietet.

Ich bin der Auffassung, dass die Kombination aus alten und neuen Methoden der Mitbestimmung dazu beitragen kann, dass Arbeit positiv gestaltet wird.

Zum einen zeigt die Böckler-Studie, dass dort wo betriebliche Mitbestimmung möglich ist, die Zufriedenheit der Beschäftigten höher ist. Sowohl die Tarifpartner und Betriebsräte, als auch Führungskräfte haben einen Einfluss auf das Wohlbefinden der Beschäftigten.

Viele Unternehmen haben sich mittlerweile soziale Verantwortung auf die Kappe geschrieben und versuchen die Unternehmenskultur entsprechend auszurichten. Mit mehr Autonomie, Wertschätzung und arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsmodellen schaffen sie damit nicht nur eine höhere Mitarbeiterbindung, sondern im Zweifel auch eine stärkere demokratische Haltung.

Ein Kommentar zu „Gute Arbeit schützt vor antidemokratischen Einstellungen

  1. 1) „Arbeit ist mehr als nur Geldverdienen“
    ==> Altbekannt (und logisch bei 33%+x der Tages- + Lebenszeit)

    2) „Viele Unternehmen haben sich mittlerweile soziale Verantwortung auf die Kappe geschrieben“
    ==> Amazon ist dabei

    3) „und versuchen die Unternehmenskultur entsprechend auszurichten.“
    ==> Amazon sagt JA

    4) „Mit mehr Autonomie, Wertschätzung und arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsmodellen“
    ==> Amazon wird immer besser

    5) „schaffen sie damit nicht nur eine höhere Mitarbeiterbindung, sondern im Zweifel auch eine stärkere demokratische Haltung.“
    ==> Amazon liebt die Demokratie

    Meine Meinung: Solange die größten Unternehmen der Welt im Bereich Arbeit „eigene Wege gehen (= Arbeit classic wird obsolet, es braucht High-Potentials und Roboter/Sklaven)“ und die Kombination von Trägheit, Konsumwut und Milliadärsanbetung durch die Mittelschicht weitergeht, wird Arbeit und Demokratie unter Druck stehen. Kleine positive Ansätze hier und große negative Entwicklungen da. Am besten ist es, einen Platz im Bereich des Speckgürtels einer heute um Medien, Politik, Beratung u.a. erweiterten PMC (https://en.wikipedia.org/wiki/Professional%E2%80%93managerial_class) zu finden/haben, so dass man solche Entwicklungen erst untersuchen und sich anschliessend auf Social Media darüber austauschen kann:-(.

    #Jm2C

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