Kostet der falsche Haarschnitt die Jobchance?

Ich habe letztens gelesen, dass das äußere Erscheinungsbild einen großen Einfluss auf die Karriere habe. Menschen würden wichtige Charaktereigenschaften wie Vertrauenswürdigkeit, Dominanz und Kompetenz innerhalb von Zehntelsekunden aufgrund des Aussehens zuschreiben. Dabei würden kleine Details bereits einen großen Unterschied machen. Ich habe nie geglaubt, dass Aussehen Fähigkeiten und Kompetenzen überstrahlen kann, aber ich wollte die These selbst testen.

Ich habe also ein kleines Experiment gemacht: Ich habe mit einer Bildbearbeitungs-App mehrere Varianten von mir erstellt. Ich habe mit Makeup, Frisuren und Brillen gespielt bis ich sechs Varianten hatte. Dann habe ich die Bilder auf Photofeeler hochgeladen und wildfremde Menschen über die Kriterien Kompetenz, Einfluss und „Likeability“/Sympathie auf einer Skala von 1 bis 10 abstimmen lassen. Foto B ist übrigens das unbearbeitete Original.

Was dabei rauskam: Es gab kaum einen Unterschied bei den Kriterien Kompetenz und Einfluss. Sowohl die Version A von mir, die ein wenig an Angela Merkels Frisur im Jahr 2005 angelehnt ist, als auch die Variante C mit den wallenden Haaren wurden gleich kompetent und einflussreich im Berufsleben eingeschätzt wie das Original in Foto B. Dies finde ich beruhigend.

ABER – und das ist recht wichtig – der Sympathiewert schlug ziemlich weit aus. Während Variante C mit den langen Haaren den Beliebtheitswettbewerb mit einem Wert von 9.5 gewann, erreichte die Merkel-Alice in Variante A einen Wert von 7.1 – das ist ein merklicher Unterschied. Interessanterweise verlor Variante D ebenfalls an Sympathie, obwohl ich ihr lediglich eine Brille aufgesetzt habe – sie erreichte 7.3 Punkte.

Nun, man kann jetzt sagen, dass Kompetenz und Einfluss im Berufsleben wichtiger sind als Sympathie oder die Frage, ob man gemocht wird. Aber stimmt das auch? Angenommen, zwei Bewerbende sind im Recruiting-Verfahren und weisen dieselben Qualifikationen auf. Wahrscheinlich wäre der Faktor Sympathie der entscheidende Punkt, der bei der Entscheidung hilft. Wohlmöglich kann Sympathie sogar Kompetenz übertrumpfen, wenn man explizit danach sucht, dass jemand „zur Kultur passt“.

Es ist erstaunlich, dass Kleinigkeiten wie die Frisur oder eine Brille so einen unbewussten Ausschlag erweisen können. Ich werde mich zum Thema mehr einlesen, aber ich empfehle dringend selbst in die Position zu gehen und über andere abzustimmen. Denn selbst wenn man von sich selbst meint, weitgehend vorurteilsfrei zu sein, dann greifen doch unerklärliche Impulse. Erst wenn man die realisiert, kann man es besser machen.

Lesetipp: Seth Stephens-Davidowith (2022): Don’t Trust Your Gut – Using Data to Get What You Really Want in Life

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