„Flüchtlinge“: 30 Menschen, 30 Assoziationen

Sascha Kohlmann (CC BY-SA 2.0)

Am vergangenen Wochenende habe ich mich in Berlin auf den gemacht, um Menschen unterschiedlicher Altersgruppen danach zu fragen, was ihre spontane Assoziation mit dem Begriff „Flüchtlinge“ ist – komplett ohne politischen Kontext, ohne Einleitung, ohne Kommentar, ohne Diskussion. Das Wort ist inzwischen so geladen, instrumentalisiert und polarisierend debattiert, dass es mich interessiert hat, was bei den normalen Leuten auf der Straße im Kopf hängengeblieben ist. Als Dank für ihre Zeit gab es ein Schoko-Bon. Das sind ihre ungefilterten Antworten:

Jenny (14): Zu viele

Lisa (16): Brennende Asylheime

Marlena (16): Bad Belzig – weil bei uns da gerade so viele Flüchtlinge angekommen sind

Saskia (16): Asylheime, Bernau

Tom (17): Arme Kriegsflüchtlinge

Julia (20): Spaltet Deutschland

Peter (20): Problem

Erik (22): Krieg

Felix (23): Willkommen

Liliana (24): Das sind echt arme Leute, die herkommen

Joanne (25): Chaos in Syrien

Martin (25): Probleme

Vera (26): Nicht alle über einen Kamm scheren

Per (29): Flüchtlingscamps, Krieg

Simon (29): Willkommenskultur

Line (29): Angst

Anna (30): Integrieren

Konrad (33): Angst

Martin (34): Schlimm wie in Deutschland die Stimmung kippt

Medi (36): Ein komplexes Problem, das eine komplexe Lösung braucht

Marco (37): Syrer sind sehr herzliche Menschen

Sebastian (39): Traurig

Ingo (43): Mitleid – die haben ja einen harten Weg hinter sich

Torben (46): Zu viele

Jan (48): Willkommenskultur

Hermann (52): Freiwilligenarbeit

Margot (57): Läuft alles gerade nicht so gut

Anneliese (60): Viele offene Fragen habe ich

Werner (65): Man darf die Menschenwürde nicht vergessen

Hans (66): Unsauber

Was kann man aus diesen Antworten ziehen? Kann man überhaupt etwas daraus ableiten? Die Stichprobe ist eindeutig zu klein. Trotzdem möchte ich diese Assoziationen wohlwollend deuten, denn obwohl die Parteien die Säbel wetzen, scheint sich bei den Bürgern ein ehrlicher Realitätssinn einzustellen. Die Meinungen sind nicht einseitig, Emotionen und Ängste können nicht gestillt werden, aber gerade darin liegt das Potenzial für eine vernünftige (politische) Debatte. Es sind nämlich nicht die wütenden Extremen, die sich online gegenseitig beleidigen, die die Mehrheit ausmachen. Vielleicht reicht es manchmal, wenn man jemanden außerhalb seines Mikrokosmos fragt, was er oder sie denkt, um zu begreifen, was in diesem Land passieren könnte.