Mädels, hört auf euch kleinzumachen!

flickr.com, Kentaro Tanaka (CC BY-NC-ND 2.0)

Worüber reden fünf ambitionierte, gut ausgebildete Frauen zwischen Mitte 20 und 30 an einem lauen Sommerabend bei Bier und Wein? Schuhe? Fehlanzeige. Männer? Ein bisschen. Karriere? Bingo! Überraschender Konsens war, dass alle Anwesenden bei Gehaltsverhandlungen bescheiden auftreten, um nicht als gierige Bitch abgestempelt zu werden und weil sie befürchten, dass ihnen eine fordernde Art auf der Arbeit angekreidet werden könnte.

Da war er – der Systemfehler in unseren Köpfen. Trotz einer Sozialisation, die von Gleichstellung geprägt war, gibt es die unerklärliche Hürde: die Vorstellung, dass man als Frau Erfolg durch Fleiß, Korrektheit und Bescheidenheit erlangen würde. Risikobereitschaft und verbale Angriffslust werden nicht in Situationen ausgelebt, in denen viel auf dem Spiel steht – der eigene Ruf zum Beispiel. Sich von dem Stempel der hysterischen Zicke zu rehabilitieren, dauert nun einmal. Es scheint, als wäre es wichtiger gemocht als fair vergütet zu werden.

Was mich allerdings wirklich überwältigt, ist dieser leichte Hauch von Resignation, der sich schon in solch jungen Jahren festgesetzt hat. Das unterbewusste Denkmuster ist, dass man es zumindest in Karrierebelangen immer schlechter haben wird als Männer. Eine selbsterfüllende Prophezeiung? Vielleicht. Vielleicht haben wir einfach verinnerlicht, dass wir als tickende Zeitbomben im Betrieb betrachtet werden – eine selbstdegradierende Perspektive auf das potenzielle Mutterdasein. Was dahintersteckt sind Beobachtungen, dass Männer in einem gewissen Alter (ca. um die 30) zum Teil bei schlechterer Qualifikation oder weniger Arbeitserfahrung an Frauen vorbeibefördert werden. Der Grund: Frauen könnte schwanger werden, ein Ausfall von einer verantwortlichen Person ist mit Risiken und Verlusten verbunden. Sobald Kinder dann wirklich geplant sind, gehen die meisten eh von einem Karriereknick aus.

„Selbst schuld, wenn du dich für Kinder entschieden hast – es war deine eigene Entscheidung“ ist der Vorwurf, den junge Arbeitnehmerinnen hören, wenn sie ihren Missmut darüber äußern, dass sie sich aufgrund der biologischen Gegebenheiten, dass nur Frauen Kinder austragen und stillen können, abgehängt fühlen. Mutterschaft als Karrierebelastung – ein Evergreen. Aber muss es so sein oder fehlen uns einfach die Vorbilder? Sheryl Sandberg hat in ihrem viel beachteten Buch „Lean In“ bereits aufgeführt, dass Frauen sich zu stark zurücknehmen, ihre Leistung eher unterschätzen, wohin Männer sich selbst überschätzen. Am Verhandlungstisch seien Frauen viel zu leise, nicht mutig genug. Da ist zwar viel Wahres dran, aber man darf auch nicht vergessen, dass nicht jeder in eine Familie mit finanzieller Stabilität geboren wurde und in Harvard studieren kann wie Frau Sandberg. Diese finanzielle Sicherheit kultiviert Risikobereitschaft – im schlimmsten Fall gäbe es jemanden, der Unterstützung bieten kann. Vielleicht braucht es eine Sandberg aus der Mittelschicht, die vorlebt, wie man beruflich geradestehen kann, anstatt zu buckeln?

Mädels, wir haben ein echtes Problem, wenn wir uns indirekt als Opfer der Gesellschaft ansehen. Klar, es gibt verdammt viele Hürden und es ist nicht leicht nach oben zu kommen. Sexistische Sprüche, Reduktion auf das Erscheinungsbild und Stereotype von der „mütterlichen Natur“ der Frau begegnen vielen – vor allem zu Beginn der Karriere. Zweifelsohne, es gibt Fälle, in denen Frauen unterschätzt werden. AfD-Politiker Gedeon kritisierte beispielsweise Hannah Arendts Ausführungen mit der Begründung, dass das weibliche Hirn nicht komplex philosophisch abstrahieren könne. Aber äußeren Druck erleben auch Männer – nur eben auf andere Art und Weise. Die Krux besteht darin den Weg zu finden, sich durchzusetzen. Vorgesetzte sind in den meisten Branchen noch hauptsächlich Männer und es reicht nicht, Forderungen verblümt zu artikulieren. Je mehr Frauen das allerdings üben und untereinander offen mit diesen Unsicherheiten umgehen, umso normaler werden auch Gehaltsverhandlungen. Es sind wahrscheinlich die besten Zeiten für Frauen, um eine erfolgreiche Karriere zu führen – man muss nur lernen das Stück des Kuchens auch wirklich zu nehmen, über welches man sich seit Jahrzehnten gestritten hat.