Islamophobie – Dauergast in Deutschland

In den vergangenen Wochen fragte ich mich immer wieder, was eigentlich in Deutschland passiert ist, dass Parteien, welche die Mitte der Gesellschaft repräsentieren wollen unreflektiert und realitätsfern ein Burkaverbot oder Deutschpflicht für Migranten auch in ihrem privaten Umfeld fordern oder woher dieses Misstrauen entsprungen ist, das Tausende Pegida-Anhänger dazu bringt, platte Parolen zu skandieren, die nicht gegen eine Ideologie, sondern echte Menschen gerichtet sind. Ich wundere mich, woraus die Demagogen in sozialen Netzwerken ihre Wut schöpfen und weshalb das Argument „das wird man wohl noch sagen dürfen“ unter dem geschmacklosen Deckmantel der vernunftgeleiteten Aufklärung salonfähig geworden ist – die Islamohphobie hat sich im Alltag eingenistet.

Wären wir bei einer sachlichen Debatte angelangt, wäre ein Austausch von Gedanken vollkommen angemessen und wichtig, doch was gerade in Deutschland passiert erinnert mich an das, was den Deutschen selbst wiederfahren ist – Menschen werden wegen der Radikalisierung einer Ideologie über den Kamm geschert oder haben etwa alle vergessen, wie lange die Deutschen wiederholt erklären mussten, dass bis 1945 nicht alle Nazis waren und es nur einige wenige Überzeugungstäter in Machtpositionen waren, welche die Fäden gezogen haben?

Während Sozilogen analysieren, wie die Demografie der Islamfeinde aussieht, welche Altersgruppen am stärksten repräsentiert sind, welche Rolle das Bildungsniveau ist oder welche gesellschaftlichen und politischen Strömungen, Ängste sehen, stelle ich fest, dass ich im Grunde gar nicht so überrascht bin, denn der Islamismus hat in den Medien eine prägende Geschichte erzählt.

Seit 2001 gibt es nur ein mediales Bild des Islam – das Bild der gewalttätigen Religion

Der 11. September 2001 wird wahrscheinlich für alle, die ihre Welt bewusst mitbekommen haben, ein Tag bleiben, an dem sie ganz genau wissen, was sie getan haben und wo sie zum ersten Mal die Bilder von den brennenden Wolkenkratzern des damaligen World Trade Centers in New York gesehen haben, die sich bei den meisten im Gedächtnis eingebrannt haben.

Osama bin Laden wurde zum Symbol für extremistische Terroristen. Skepsis gegenüber Bartträgern wurde zur Normalität und das Motiv des aggressiven Moslems bestimmte besonders in den ersten Jahren nach dem 11. September den Grundtenor der Massenmedien. Dies bestärkte nur Stereotype über einen hasserfüllten Islamismus, der zu Gewalt aufruft und in dem Würde nur den Gläubigen gebührt. Auch wenn es immer wieder Konflikte im Nahen Osten gab, war die öffentliche Debatte eher von der Analyse politischer und wirtschaftlicher Interessen bestimmt, wohingegen nun in jedem Kontext der Glaube als „Ursprung des Bösen“ verstanden wird.

Zudem ist es wie in allen Belangen im Leben – große Tragödien führen zu großen Geschichten, daher ist es kaum verwunderlich, dass immer wieder die Empörung über den Islam in Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen geäußert wird, man jedoch höchst selektiv bei der Wahrnehmung positiver Seiten bleibt. Niemand hat im Zusammenhang mit dem traurigen Schicksal der jungen Tugce Albayrak ihren Glauben als mögliche Motivation für ihre herausragende Zivilcourage in Betracht gezogen, genauso wenig, wie man Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai als religiösen Gegenpol zu den radikalen Taliban sieht, gegen die sie Widerstand zeigten – in beiden Fällen werden ausschließlich die persönlichen Qualitäten betont.

Die Islamophobie wird bleiben

Während radikale Strömungen des Islam, unabhängig ob Anhänger von Al-Qaida, des Islamischen Staats oder Mitglieder der Taliban, zu einem negativen Glaubensbild stark beitrugen, fehlt es in der öffentlichen Wahrnehmung an einer gemeinsamen Gegenbewegung. Papst Franziskus forderte in einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Ende November die politischen und religiösen Führer des Islams auf, sich gemeinsam gegen den Hass und die Gewalt zu positionieren.

Allerdings wird die Islamophobie auch weiterhin bleiben, denn es wir dauern bis die Assoziationen des Islam zum Terror wieder abebben. Die Pegida-Anhänger werden bis dahin weiterhin auf ihren Standpunkt beharren und nicht realisieren, dass sie mit ihrer ablehnenden Haltung nur verhärtete Fronten unterstützen, von denen diejenigen am meisten profitieren, die sie fürchten – die radikale Minderheit. Dem kann man nur entgegenwirken, indem man einen Beitrag dazu leistet, die Geschichte des Islam wieder umzuschreiben, genauso wie es bei dem Christentum geschehen ist, schließlich wirken die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen im Namen des Glaubens aus heutiger Perspektive doch unglaublich absurd, nicht wahr?

Photo: flickr.com; User: Firas